Die Erfolgsgeschichte bleibt ungebrochen: Nach dem Kultfilm von 1992, berühmt gemacht durch Whoopi Goldberg, ist der himmlische Überraschungserfolg auch 2026 ein verlässlicher Publikumsmagnet auf Tour, sie gastiert jetzt schon das zweite Mal in Wien.
Im Mittelpunkt steht die Nachtclubsängerin Deloris Van Cartier, die unfreiwillig zur Zeugin eines Mordes wird und daraufhin im Kloster untertaucht. Als Nonne wider Willen bringt sie mit ihrem Temperament das konservative Ordensleben aus dem Gleichgewicht – und haucht einem nahezu aufgegebenen Chor neues Leben ein. Hierbei entsteht die bekanntlich starke Situationskomik, gepaart mit emotional schön ausgearbeiteten Szenen unterhält der Stoff einfach.
Regisseur Bill Buckhurst hat auf die kleinen Details in der Rollenentwicklung geachtet. Besonders die Entwicklung der Hauptfigur trägt den Abend: vom oberflächlich wirkenden Showgirl hin zu einer Figur, die Verantwortung übernimmt und Gemeinschaft erfahrbar macht. Naomi Diebel ist nicht nur stimmlich sehr stark, sondern überzeugt auch schauspielerisch – wie es die Rolle verlangt, natürlich überzeichnet, aber dennoch authentisch. Auch die »Mutti«, Schwester Oberin (Femke Soetenga), und Kommissar Fritzinger (Marcel Weber) durchleben im Verlauf des Stückes wunderbare Wendungen und bringen somit auch Tiefe in die Story. Die Postulantin Mary Robert (Margot Wardla Baars) überrascht mit ihrer starken Stimme und einer – dem Lauf der Story entsprechend – wachsenden Bühnenpräsenz. Viel Publikumszuspruch bekam zu Recht die rappende Mary Lazarus (Sylvia Moss) für ihre Einlagen. Und die schräge Schwester Mary Nirvana (Susanne Rietz) schafft durch ihr Spiel immer wieder wunderbare Spaßelemente, die Freude machen. Leider kann sie in der Rolle stimmlich nicht zeigen, was in ihr steckt. Auch das restliche Ensemble überzeugt mit starken Stimmen und durchaus mit Publikumsnähe, was von den Zuschauern sehr positiv aufgefasst wird.
Und was immer wieder bei Showslot-Produktionen auffällt und einfach betont werden muss: Alle Darsteller haben eine sehr gute deutsche Aussprache. Große Produktionen beachten das leider nicht immer, aber gerade, wenn man ein Stück das erste Mal sieht, ist es einfach sehr wertvoll, wenn man dann auch alles versteht.
Die eingängige Musik von Alan Menken wird live vom Orchester gespielt – ein großer Pluspunkt gerade im Bereich der Tourneeproduktionen. Vor allem die großen Ensemblenummern sorgen durch präzise Choreografien von Alistair David regelmäßig für Szenenapplaus.
Visuell wird mit bewusst reduzierten, aber flexiblen Mitteln gearbeitet. Schnelle Umbauten, gezielt eingesetzte Requisiten und ein variables Lichtkonzept ermöglichen klare Ortswechsel, ohne den Spielfluss zu unterbrechen. Die Bildsprache nutzt den Kontrast zwischen glitzernder Showwelt und schlichter Klosteratmosphäre, der sich bis zum farbenfrohen Finale zunehmend auflöst. Dies kreierte Morgan Large, der zuletzt auch das Bühnenbild für »Rudolf – Der letzte Kuss« in Füssen auf seine Arbeit aufmerksam gemacht hat. Allein dafür lohnt sich schon ein Besuch bei den Schwestern.
Die Tour 2026 von »Sister Act« tourt noch bis in den September durch Deutschland: Ludwigsburg, Nürnberg, München und Berlin stehen noch auf dem Tourplan und wer das Stück noch nicht gesehen hat oder zum Wiederholungstäter werden möchte, dem kann diese Inszenierung absolut empfohlen werden.

