Die einzig regelmäßig bespielte Stegreifbühne in Europa hat neben den unterschiedlichen Stegreifangeboten und Gastauftritten von verschiedenen Bands, Kabaretts und anderen Unterhaltungsformaten auch wieder Musical auf dem Spielplan. In diesem Jahr steht das Comedy-Musical »Beatles an Bord« aus der Feder von Enrique Keil auf dem Plan und eröffnete auch die Saison am 17. Juni 2026. Wie es die Tradition will, ist es wieder eine Co-Produktion mit dem Theater 82er Haus in Gablitz – dort sorgte das Stück im Frühjahr dieses Jahres schon für ausverkaufte Vorstellungen.
Einen unterhaltsamen Abend schafft das Team rund um Regisseur und musikalischen Leiter Markus Richter. Rita Sereinig ist für die spritzige Choreografie der drei Flugbegleiterinnen zuständig – wunderbar gelöst, das kleine (nein, damit meinen wir nicht dich, Raclette!) Ensemble wirkt dadurch sehr groß und bespielt das als Businessclass eines Jets verkleidete Bühnenbild von Petra Fibich-Patzelt den ganzen Abend grandios. Zudem ist die eine oder andere Überraschung im Bühnenbild versteckt, die erst nach und nach entdeckt wird.
Zur Story: Die Airline »Jet Baguette« fliegt mit dem Publikum als Passagiere von Wien nach Paris. Über den Wolken rocken, swingen und jazzen sich drei tollkühne Heldinnen Flugbegleiterinnen Babette, Jeanette und Raclette, eingekleidet in bezaubernde Uniformen (Kostüme: Elisabeth Töplitzer), die als Krönung auch alle ein Baguette am Hut tragen.
Und wer die Tschauner kennt, kann sich schon beim Durchlesen der Namen der Airline und der Crew denken, dass es nicht nur da zu reichlich Verwirrung kommen wird. Alle haben sich einen amüsanten französischen Akzent angelegt. Man kann sich vorstellen, dass es bei den Proben oft sehr heiter zuging. So passiert auch der ein oder andere kleine Lachanfall auf der Bühne, was ja sonst eher bei den Stegreifstücken vorkommt. Und das macht es eben aus – eine Liveperformance.
Ein altes, desolates sowjetisches Flugzeug, welches aus einem Museum gestohlen wurde, dient der maroden Airline als eines der letzten Fluggeräte – »Diese Flugzeug ist absolut sischer. Solange es nischt geht in die Luft.« Doch gibt die Crew ihr Bestes und bringt ein »Ünterhaltungsprogramm«, um die Passagiere von all den Missgeschicken abzulenken.
Glücklicherweise waren beim Jungfernflug des Jets die Beatles mit an Bord, was die drei Damen dazu bringt, ein Best-of der erfolgreichen Band darzubieten. Alles untermalt durch Musikaufnahmen von Terry Chladt; die Stimme des Piloten Jean Pierre Sarkozy wurde von Markus Richter aus dem Off eingespielt. Und so werden über den Wolken mehr als 20 Songs der Beatles angestimmt, und das meist in einer ganz speziellen Art. Beispielsweise wird ›With A Little Help From My Friends‹ gerockt, als eines der Triebwerke seinen Dienst quittiert.
Zu alledem kommen noch Löcher im Treibstofftank, ein gefundener Schwangerschaftstest, fehlende Speisen und Getränke für die Passagiere (glücklicherweise hat die Crew noch Drogen für sich dabei und somit ist das Problem nicht so dramatisch – für die Damen zumindest) sowie Liebesdramen um den leider auf dem Hinflug verstorbenen Copiloten Maurice. Letzterer wurde kurzerhand in der Kabine versteckt, ist ihnen also doch irgendwie ganz nah…
Die Cast der bunten Unterhaltungsshow ist sorgsam ausgewählt, so wie man es auf der Tschauner Bühne gewohnt ist: Als Purserin Babette sorgt Ines Hengl-Pirker liebt es ihre beiden Kolleginnen zu schikanieren und die Auszubildende nicht für voll zu nehmen. Hengl-Pirker spricht nicht nur mit ihrer Stimme, sie kann vieles mit Blicken ausdrücken. Ihr zuzuschauen bringt Freude und gute Laune, stimmlich bringt sie beispielhaft den Song ›Help!‹ überraschend als Opernarie. Chapeau!
Die Auszubildende Raclette wird von Marina Petkov dargestellt. Die Rolle scheint ihr sehr zu liegen, fängt sie doch als Publikumsliebling sofort alle Herzen beim ersten – nennen wir es Erscheinen – auf der Bühne ein. Raclette leidet etwas darunter, dass sie noch keinen Boyfriend hatte, bis auf eine Sandkastenliebe. Wer glaubt, dass ihr die Kolleginnen tröstend zur Seite stehen, der irrt allerdings. Sie ist die Kleinste und leidet auch ein wenig unter ihrer Körpergröße. Marina Petkov bringt mit ihrer Stimme die Tschauner zum Schwanken, ihre Mimik unterstreicht ihr lockeres und großartiges Schauspiel. Man ist verleitet, nach einem Song von ihr ständig »Zugabe« zu rufen.
Ryta Tale als Janette bringt das Fass der guten Laune zum Überlaufen und es ist eine Freude, den bekannten Musicaldarsteller als seine Drag-Kunstfigur in dieser Rolle zu sehen. Es muss sehr spannend sein, all das Gelernte in eine andere Figur zu packen und dann
wieder in eine andere Rolle zu schlüpfen. Allein schon die High Heels in Größe 44 – wenn man sich vorstellt, wie sie da singend und tanzend in Echt durch ein Flugzeug stolzieren würde: herrlich! Ihre besondere Aufmerksamkeit gilt den männlichen Fluggästen, ist sie doch sehr paarungswillig.
Alle drei zusammen bringen eine besondere Melange an Stimmen und Stimmung, die Zeit verfliegt wirklich wie im Flug. Und so viel sei verraten: Der Jet hebt ab, doch wo die Landung passieren wird und ob es eine Notwasserung auf der Donau gibt, wem der Schwangerschaftstest gehört und wie es sich anfühlt, wenn Markus Richter alias Jean Pierre Sarkozy mehrfach ins Publikum rülpst – das darf jeder selbst herausfinden. Ihr ›Ticket to ride‹ können Sie auf tschauner.at buchen – besser heute als ›Yesterday‹. Pünktliches Boarding bei allen Wetterlagen dank der flexiblen Überdachung der Sommerbühne ist bei der Tschauner in Ottakring garantiert. Alles andere wird sich zeigen – ›All you need is Love‹!
Dies ist eine gekürzte Version der Rezension, die in der kommenden Ausgabe der blickpunkt musical erscheint.

