Alte Liebe rostet nicht – Josh Groban im Tempodrom Berlin

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Fast auf den Monat genau zehn Jahre ist es her, dass Josh Groban, der amerikanische Star der Crossover-Szene zwischen Musical, Film und Popmusik, in Berlin zu erleben war, auch damals, wie heute, im Tempodrom. Das damalige Programm war sehr musicalzentriert, während es diesmal – passend zum kommenden Album »Cinematic« im Wesentlichen um berühmte Filmmelodien ging, zusammen mit einigen Klassikern aus seinem Repertoire und immerhin auch einer Musicalnummer.

Das Konzert des Sängers, der ausgezeichnet bei Stimme war, begann mit einem Song aus seinem Album »Awake« aus dem Jahr 2006 und brachte die zahlreichen Fans, die, was den Altersdurchschnitt anging, sicher zum großen Teil schon vor 20 Jahren zu seinen Fans zählten, sofort zum Schwärmen und Mitsingen. Das folgende Programm kombinierte Filmklassiker wie ›Pure Imagination‹ aus dem Film »Willy Wonka and the Chocolate Factory« von dem in Deutschland für seine Texte zu »Jekyll & Hyde« bekannten Leslie Bricusse, ›Brucia la terra‹ (im sizilianischen Dialekt!) aus »Der Pate 3« oder ›Skyfall‹ aus dem gleichnamigen James-Bond-Film, im Original von Adele gesungen, mit eigenen Songs, die er auch selber am Klavier begleitete, darunter mit ›February Song‹ einer seiner Klassiker, den er bereits bei dem Konzert vor 10 Jahren sang.

Der einzige Musicalbeitrag des Abends war das Duett ›All I Ask Of You‹ aus Andrew Lloyd Webbers »Phantom der Oper«, wo er sich als Duettpartnerin Marie Wegener dazugeholt hatte, die ja als Engel in »Der Geist der Weihnacht« im Metronom Theater in Oberhausen im vergangenen Winter ja bereist an der Seite von Chris Murray als Scrooge Musicalerfahrung sammeln konnte. Die wunderbare Nummer ließ es um so mehr bedauern, dass diesmal nicht mehr Musical im Programm vertreten war.

Auch einige Popklassiker zählten zum Programm, wie eine temperamentvolle Wiedergabe des Céline-Dion-Songs ›Just Walk Away‹ in spanischer Sprache (›Aléjate‹) oder ›Angels‹ von Robbie Williams. Nicht fehlen durften natürlich auch der Richard-Marx-Song ›To Where You Are‹ aus seinem allerersten Album und sein wohl bekanntester Song ›You Raise Me Up‹ (Secret Garden), den er mit gewohnt weicher Stimme zu Gehör brachte und der das Programm stimmungsvoll beschloss.

Zwischen den Songs erzählte er viele nette Geschichten über eben diese, deren Entstehung und seine Begegnungen mit anderen Künstlern, die mit den Songs verbunden waren. Seine charmante Art kam beim Publikum sehr gut an. Begleitet wurde er von seiner vierköpfigen Stammband sowie einem vor Ort zusammengestellten 14köpfigen Orchester sowie einem Chor, der wohl eine Amateurgruppe war (und dem Klang nach sicher vom Band unterstützt wurde). Ein Höhepunkt des Abends war, dass er sich selber an das Drumset setzte und eine Heavy-Metal-Nummer zum Besten gab. Den Abschluss als letzte Zugabe des schönen, pausenlosen abends bildete der Simon & Garfunkel-Klassiker ›Bridge Over Troubled Water‹, mit dem er in der Anmoderation auch den Wunsch nach einer Umsetzung dieses Konzepts in der eher stürmischen politischen Landschaft im Moment verband. Schlussendlich versprach er, sich nicht wieder zehn Jahre Zeit zu lassen mit seinem nächsten Besuch in Berlin. Möge dieses Versprechen in Erfüllung gehen!

Eine ausführliche Kritik zu dem Konzert können Sie in der kommenden Ausgabe der blickpunkt musical lesen.