Tanzverbot in der Provinz: »Footloose« – Das Musical in der Kulturhalle Dußlingen

  • Magazin
  • 4 Minuten zum Lesen

Bereits zum neunten Mal wagt sich die Musical Academy Tübingen (nach einer intensiven sechsmonatigen Probezeit!) an ein abendfüllendes Musicalprojekt. Diesmal fiel die Wahl auf »Footloose« von Tom Snow und Dean Pitchford, basierend auf dem gleichnamigen Filmklassiker, der 1998 als Musical uraufgeführt wurde.

Das Stück erzählt die Geschichte von Ren McCormack und seiner Mutter, die nach der Trennung vom Vater die Großstadt Chicago verlassen, um in das kleine Städtchen Bomont zu ziehen. Der Teenager Ren, der für sein Leben gern tanzt, muss schnell feststellen, dass in Bomont andere Sitten herrschen: Hier führt Pfarrer Shaw Moore ein strenges Regiment. Es gibt sogar ein Gesetz, das das Tanzen verbietet. Wie sich im Laufe des Musicals herausstellt, wurzelt dieses Verbot in einer Tragödie: Der Sohn des Pfarrers verunglückte nach einer Party im Nachbarort zusammen mit drei weiteren Jugendlichen tödlich.

In seiner Trauer hat der Pfarrer jedoch völlig aus dem Blick verloren, dass er nicht der Einzige ist, der leidet. Auch seine Frau und seine Tochter Ariel vermissen den Sohn und Bruder schmerzlich. Obwohl sie ihren Vater liebt, ist es Ariel, die am stärksten gegen seine Regeln aufbegehrt. Heimlich trifft sie sich mit Chuck, einem zwielichtigen Typen, der mit Drogen dealt und zur Gewalt neigt.

Natürlich ist auch die restliche Dorfjugend unglücklich über das Verbot. Ein wenig Abwechslung finden sie nur im Burger Blast, einem Diner, in dem Ren schließlich als Bedienung auf Rollschuhen anheuert. Dort trifft er auf Ariel und ihre Freundinnen, die von ihren Helden träumen. Als Chuck auftaucht und Ariel bedrängt, geht Ren dazwischen – ein Moment, in dem sich Ariel endgültig in ihn verliebt.

Eines Abends fahren sie gemeinsam mit Ariels Freundin Rusty und Rens Freund Willard in den Bar-B-Que-Club am Stadtrand, um zu tanzen. Während Rusty sich nach einem Tanz mit Willard sehnt, drückt dieser sich beharrlich – bis er gesteht, dass er gar nicht tanzen kann. Prompt zeigen ihm die anwesenden Cowboys, wie es geht.

Die Situation spitzt sich zu, als Ariel nach der Sperrstunde nach Hause kommt: Pfarrer Shaw Moore erhebt die Hand gegen seine Tochter. Nur das Eingreifen seiner Frau verhindert Schlimmeres. In diesem Moment erkennt der Pfarrer entsetzt, wie sehr er sich seit dem Tod seines Sohnes zum Negativen verändert hat.

Ren beschließt, eine Anhörung beim Stadtrat zu erwirken. Unterstützt wird er dabei von Ariel, die ihm Bibelstellen markiert hat, in denen das Tanzen gepriesen wird. Doch der Stadtrat, beeinflusst vom Pfarrer, lehnt sein Ersuchen kategorisch ab. Verzweifelt sucht Ren das persönliche Gespräch mit Shaw Moore. In diesem Dialog erkennen beide ihren gemeinsamen Schmerz über den Verlust geliebter Menschen. Der Pfarrer begreift schließlich, dass er der Jugend von Bomont jahrelang die Freude geraubt hat.

Das Stück endet furios mit dem Song »Footloose« (Befreit) und einem gemeinsamen Tanz aller Beteiligten. Dabei ist die enorme Begeisterung und das Herzblut der insgesamt 22 Darstellerinnen und Darsteller in jeder Sekunde spürbar. Die Choreografin Sabrina Reichle hat hier sichtlich viel Arbeit in die beeindruckenden Tanznummern gesteckt.

Unter der Regie von Silvester Keller harmonieren das Ensemble und die 10-köpfige Live-Band perfekt. Dass eine Live-Band spielt, ist ein besonderer Luxus, den sich heutzutage nur noch wenige Theater leisten können; die musikalische Leitung lag in den Händen von Emilia Schneider.

Besonders bemerkenswert: Die Lieder werden in deutscher Sprache gesungen. So wurde aus »Let’s Hear It for the Boy« ein charmantes »Applaus für meinen Boy« und aus dem Klassiker »Holding Out for a Hero« (bekannt durch Bonnie Tyler) wurde »Wo sind die Helden?«. Besonders passend wirkte die Übersetzung bei dem Song »Jemand schaut zu«, während das Ensemble heimlich durch den Vorhang lugte.

Neben der tänzerischen überzeugte auch die schauspielerische Leistung auf ganzer Linie. Dass das Ensemble zudem eigenhändig und fließend die Bühne umbaute, unterstreicht das enorme Engagement der Gruppe. Am besuchten Abend glänzten unter anderem: Marc Bröckel (Ren), Vanessa Haug (Ariel), Vincent Fix (Pfarrer Shaw), Patrick Sam (Willard), Michelle Trifonov (Rusty)

Fazit: »Footloose« in der Kulturhalle Dußlingen feierte am 14. Mai 2026 Premiere. Ein Besuch dieser Produktion lohnt sich definitiv und garantiert einen Abend voller Energie und Spaß!