Eine Wiederaufnahme mit neuen Gesichtern und Liedern: »Die Zauberflöte – Das Musical«

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Schon bei der Uraufführung am 12. April 2024 in München wurde einigen Zuschauern und auch Kritikern schnell klar: Das ist nicht die »Zauberflöte« von Mozart, das ist Frank Nimsgern. Zwar ist die Handlung der Oper von Mozart ähnlich, doch die Musik von Frank Nimsgern ist alles andere als das.

Inzwischen hat das Musical sich als eines der erfolgreichsten Stücke der letzten Jahre etabliert, es reiste durch verschiedene Städte und kehrte nun ans Festspielhaus Neuschwanstein zurück. In all der Zeit wurde immer wieder an dem Stück gearbeitet, Lieder und Szenen wurden verändert, es kamen neue Darstellerinnen und Darsteller.

So kam zum Beispiel diesmal ein neues Lied mit dem Titel ›Siegen oder Sterben (SOS)‹ für die drei Damen, die der Königin der Nacht dienen, dazu und die Szene mit der Schlange im Zauberwald wurde verändert. Viel häufiger wird vom Kakadu auch Mozart zitiert und auch der Schluss wurde umgestellt. So sieht es schon bei ›Geh mit mir‹ aus, als sei das Stück zu Ende, aber, Überraschung, es geht weiter. Erst mit dem ›Spiel des Lebens‹ ist dann endgültig Schluss.

Ob diese Veränderungen sein müssen und ob sie das Stück verbessern (oder vielleicht sogar verschlechtern) fragen sich Zuschauerinnen und Zuschauer, die seit der Geburtsstunde dabei sind. Denn, das muss man neidlos zugeben, inzwischen hat das Stück ein festes Stammpublikum.

»Warum diese Veränderungen?«, fragen wir Komponist Frank Nimsgern.

FN: Ein Kritikpunkt war, dass das Stück zu lang war. Jetzt ist es konzentrierter und es geht alles viel schneller. Der neue Opening Song für die drei Damen ist sehr modern und wir haben die Schlange in den Song integriert. Ich glaube, das Publikum ist bereit für diese neue Version. Aber viele schauen es sich auch zweimal an, um überhaupt alles zu sehen und zu hören.

Außerdem haben wir einige neue Darstellerinnen und Darsteller, die eine ganz andere Sprechdynamik mitbringen. Auch das Licht und die Pyrotechnik sind neu. Das Publikum soll Spaß haben, deshalb sind auch einige Dialoge und Szenen lustig.

Ich glaube, im Gegensatz zu anderen Musicals, die ja dramaturgisch ein Drama verfolgen, ist unsere »Zauberflöte« fast eine bunte Revue mit einem klaren Handlungsrahmen. Wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen, ist es ein Fest der Sinne.

Zu den »Neuen« gehört auch Andreas Lichtenberger, der die Rolle des Sarastro übernommen hat. Er kennt natürlich die Oper von Mozart sehr genau, deshalb ist seine Meinung zu der Version von Frank Nimsgern auch eine ganz besondere.

AL: Ich finde es großartig, dass Frank Nimsgern die Grundelemente beibehalten hat, aber vermutlich hat er sich gedacht, wie Mozart das wohl heute komponieren würde. Ich kannte das Stück von Nimsgern nur von einer Videoaufnahme und wir hatten uns zum Ziel gesetzt, es etwas zu straffen. Ich finde, das ist gelungen, und es ist ein sehr schönes, unterhaltsames Musical geworden. Auch die Ausstattung ist ganz großartig. Es ist bunt, die Kostüme sind schön, und was sie sich alles haben einfallen lassen, ist einfach großartig. Besonders die Lichteffekte sind toll, ein bisschen wie in einer Fantasystory, wie »Herr der Ringe« oder »Game of Thrones« mit all den Fabelwesen aus dem Wald.

Was ich sehr an der Rolle des Sarastro mag: Ich darf die 4. Wand durchbrechen, ich darf mit dem Publikum reden. So etwas liebe ich. Als Sarastro bin ich eigentlich nicht wirklich böse. Ich will doch nur meine Tochter vor Tamino beschützen, der ja zu Beginn des Stücks ein Feigling und Blender ist. Erst im Laufe des Stücks wird er durch seine Liebe zu Pamina ein bisschen ein Held. Wichtiger ist vielleicht auch die Erkenntnis von Tamino, dass Papageno zwar die Prüfungen nicht bestanden hat, sich dafür aber immer selbst treu geblieben ist. Vielleicht sind das die wahren Helden?

Auch Anja Backus ist neu im Ensemble und spielt die Königin der Nacht. Ihr werden zu Beginn der Sonnenkreis und die Tochter Pamina durch Sarastro geraubt. Was macht das mit der Königin?

AB: Eigentlich wird ihr das weggenommen, wodurch sie sich identifiziert, die Macht. Aber am Ende stellt sie fest, dass sie sich eigentlich komplett gefühlt hat durch ihren Mann und ihr Kind, also durch ihr privates Glück, und nicht durch das Machtgefüge. Ich glaube, dass kann jeder auch im richtigen Leben nachempfinden. Natürlich ist die Tendenz schon da, die Böse zu sein, doch sie betont auch immer wieder, dass sie Mutter ist und ihre Tochter liebt. Es ist so ein Balanceakt. Und dass sie sauer auf Sarastro ist, ist ja verständlich.

Mir macht die Rolle der Königin der Nacht großen Spaß, denn sie hat ja wirklich alles zu singen, von der Koloratur über vollkommene Rockbells bis zur Ballade, also eine Range über 4 Oktaven. Wo hat man das schon, dass man so viel zeigen kann. Ich empfinde es als Herausforderung und habe viel Respekt davor.

Einer, der von Anfang an in der Rolle des Monostatos oder auch als Sarastro mit dabei ist, ist Chris Murray. Was sagt er zu den Änderungen im Stück?

CM: Das Stück wurde gestrafft und fokussiert, um leichtfüßiger den doch etwas konfusen Originalstoff mit Tempo und Dramatik zu präsentieren. Es erlaubt einen neuen Blick auf die »Zauberflöte«, ohne das Original zu verraten.

Das Interessante an meiner Rolle als Monostatos ist, dass er in der Oper eine Parodie des bösen, schwarzen Mannes ist. Und genau das wollten wir in dem Musical nicht ausdrücken. Der Monostatos repräsentiert den Jedermann, der in einer Gesellschaft glaubt, er sollte der Emporkömmling sein, er wäre der bessere König, er wäre der bessere Sarastro, er müsste viel weiter sein. Er sagt ja sogar in seinem Lied »Bei mir sind alle gleich«, in meiner Gesellschaft ginge es allen viel besser. Aber, wie das Leben so spielt, irgendwie kommt er nicht zum Zug.

Neben Anja Backus und Andreas Lichtenberger ist auch Riccardo Greco als Prinz Tamino neu im Ensemble. Mit seiner schönen Stimme schafft er es, mühelos nicht nur die Damen auf der Bühne davon zu überzeugen, dass er ein Prinz ist. Auch seine Art zu spielen wirkt ein bisschen überheblich und passt perfekt. Neu an seiner Seite ist Finola Schulze als Prinzessin Pamina. Es ist ihre erste große Rolle, die sie jedoch sowohl gesanglich als auch schauspielerisch meistert.

Zum »Stammpersonal« gehört Tim Wilhelm, Sänger der Münchener Freiheit, der mit viel Dynamik die Rolle des Papageno spielt. An seiner Seite als Kakadu spielt Michael Schneider, der fest zum Ensemble des Festspielhauses gehört, ebenso wie Papagena Stefanie Gröning. Den Dreien merkt man an, dass sie schon lange zusammen spielen und dass sie dabei nicht nur Können, sondern auch viel Spaß haben.

Die Stimmgewalt im Stück vertritt allerdings neben Anja Backus als Königin der Nacht unbestritten Chris Murray als Monostatos. Seine Lieder ›Rattenrichter‹ und ›Rache ist süß‹ gehören zu den Highlights des Musicals, ebenso wie seine Interpretation der Rolle. Neu und ungewohnt ist Andreas Lichtenberger, der als Sarastro eine etwas tiefere, sehr angenehme Stimme hat als seine Vorgänger.

Aber nicht nur die großartige Musik und die fantastische Besetzung machen die »Zauberflöte« zum Ereignis. Ein ganz besonderes Erlebnis ist auch das Lichtdesign von Benjamin Sahler. Es bringt die Tiefe der Bühne erst richtig zur Geltung, und wenn der ganze Saal (was man aber nur von etwas weiter hinten sieht) in Sternenlicht getaucht ist, erwacht die Magie des Zauberwalds erst wirklich zum Leben.

»Die Zauberflöte – das Musical« mit der Musik von Frank Nimsgern spielt nur noch an diesem Wochenende im Festspielhaus Neuschwanstein, bevor es ab 23. Juli ins Deutsche Theater nach München umzieht.