Wiederaufnahme von »Die Päpstin« im Festspielhaus Neuschwanstein

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Das Musical »Die Päpstin«, basierend auf dem Buch von Donna Woolfolk Cross, ist wohl eines der erfolgreichsten und meistgespielten Stücke der Spotlight Musical Produktion GmbH Fulda.

Nach der Uraufführung 2011 und Aufführungen in vielen Städten ließ Spotlight 2024 das Stück durch Gil Mehmert, Kevin Schroeder und Björn Herrmann überarbeiten. Einige Szenen wurden gestrichen, andere kamen hinzu, ebenso wie vier neue Lieder, wieder komponiert von Dennis Martin, der bereits das ganze Musical komponiert hat.

Die aktuelle Produktion in Füssen zeigt diese neue Version und der eine oder andere, der sich an die ursprüngliche Version erinnert, wundert sich bestimmt. Weggefallen ist vor allem die Rolle des Erzählers Aeskulapius, die das Stück ein bisschen stimmiger gemacht hat. So erscheint z. B. der Mönch Rabanus ziemlich abrupt in der Szene, nachdem zuvor der Priester seine Frau geschlagen hatte, weil sie der Tochter die Lehren des alten Glaubens an die nordischen Götter nahegebracht hat. Rabanus wollte eigentlich den Sohn in die Klosterschule mitnehmen, stellt dann jedoch fest, dass das Mädchen Johanna viel klüger ist. Weil der Vater (gespielt von Marc Trojan) die Kinder hasst, da sowohl der Sohn als auch das Mädchen ihn vor Rabanus blamiert haben, rät die Mutter den beiden Kindern, zu Rabanus zu flüchten.

Und so beginnt die abenteuerliche Reise der Beiden, die in Dorstadt in der Schola beginnt, für Johannes dort auch bei einem Überfall der Normannen endet, während Johanna sich retten kann und als Mann verkleidet im Kloster Fulda landet. Zur Geschichte von Johanna, dem klugen Mädchen, das nach Wissen strebt und dieses nur als Mann verkleidet erreichen kann, gehören auch die Raben aus der Götterwelt ihrer Mutter, die sie beschützen sollen. Diese Raben wurden in Fulda durch zwei Figuren aus Stahl ersetzt, doch in Füssen spielen zwei Tänzerinnen die Rollen, die die Umbaupausen überbrücken und mit toller Akrobatik an den Tüchern beeindrucken.

Auch ein Amulett, das Johanna von ihrer Mutter bekommt, das sie später Gerold schenkt und das er ihr, als sie sich endlich wiederfinden, zurückgibt, erinnert ein bisschen daran, dass Johanna, die zum Papst der kathoöischen Kirche gewählt wird, heidnische Wurzeln hat.

Viele namhafte Musicalsängerinnen haben die Rolle der Päpstin Johanna schon gespielt. Besonders Sabrina Weckerlin, die als erste Päpstin in Fulda auf der Bühne stand, hat die Rolle geprägt. Doch auch Anna Hofbauer spielt die Rolle seit 2017 und ist in allem überzeugend, vom jungen Mädchen, das sich in ihren Beschützer Gerold verliebt, bis hin zur als Mann verkleideten Päpstin, die ganz genau weiß, was sie will, passen Ausdruck und Stimme perfekt. Erstaunlich, dass sie manchmal sogar ein bisschen bestimmend gegenüber Gerold ist.

Gerold, der vom ersten Tag an verliebt ist in das junge Mädchen, das er zunächst als Mündel aufnimmt und das später seine Geliebte wird, wird von Hannes Staffler perfekt gespielt. Er passt sowohl stimmlich als auch schauspielerisch in die Rolle.

Den Mönch Rabanus spielt Felix Martin nicht zum ersten Mal. Für seine Interpretation von ›Hinter hohen Klostermauern‹ bekommt er sehr viel Applaus vom Publikum.

Johannas größte Gegner sind Sohn Anastasius und Vater Arsenius, die als reiche römische Adelsfamilie große Ambitionen auf den Papstthron für Anastasius haben. Die Rolle des Anastasius übernimmt zum ersten Mal Riccardo Greco. Er ist insgesamt nicht so brutal wie seine Vorgänger, was auch dem jetzigen Rollenprofil entspricht. Dafür hat er mit ›Ein Paradies auf Erden‹ eines der neuen Lieder bekommen, das er mit seiner sanften Stimme perfekt singt. Auch hat man die Rolle des Arsenius, gespielt von Chris Murray, deutlich gekürzt, was besonders schade ist, so kann dieser starke Darsteller diesmal leider nicht wirklich zeigen, was in ihm steckt.

Insgesamt wurde das Stück weniger gewalttätig gemacht. So gab es früher gleich zu Beginn zwei Leichen und auch Arsenius wurde von seinem Sohn ermordet. Und während die Rolle des Arsenius gekürzt wurde, bekommt Marioza, die Cäsarin von Rom, eine neue Bedeutung, denn sie entdeckt beim Verrat an Johanna, dass der Mönch kein Mann, sondern eine Frau ist. Mit diesem Wissen könnte sie Anastasius helfen, doch der verachtet Frauen und sieht in ihr wirklich nur eine Hure. Mit ihrer sexy Erscheinung und ihrer starken Stimme erfüllt Anke Fiedler die Anforderungen dieser Rolle perfekt.

Im Musical will Marioza unbedingt Senatorin werden, doch die Geschichte berichtet, dass Marioza in Wirklichkeit eine sehr einflussreiche Adlige war, die mit mehreren Päpsten verbunden war und Einfluss auf die Papstwahl hatte.

Und wenn man noch ein bisschen weiter in der Geschichte schaut, fragt man sich auch, ob es Mitte des 9. Jahrhunderts, denn in dieser Zeit spielt die »Päpstin«, wirklich schon Touristen und Pizza in Rom oder gar eine Mädchenschule gab. Deshalb sollte man wohl auch das Ende des Musicals, in dem Rabanus (der optisch noch genau so aussieht wie zu Beginn des Stücks und auch noch dieselbe Kleidung trägt) ein kleines Mädchen trifft, das in die von Johanna gegründete Mädchenschule geht, wohl eher als positive Botschaft betrachten. Das Lied ›So viel mehr‹ passt natürlich in dem Zusammenhang auch wunderbar.

Neben tollen Darstellerinnen und Darstellern und großartiger Musik macht auch das Bühnenbild (Andreas Arneth) das Stück zum Erlebnis. Obwohl es eigentlich nicht wirklich viele Requisiten gibt, ist doch allein die Beleuchtung ein absolutes Highlight. Dazu kommen tolle Choreografien (Stefanie Gröning) und ein überaus ambitioniertes Ensemble sowie die sehenswerte Tücherakrobatik der beiden Raben. Und noch eines ist wirklich ein absoluter Pluspunkt für die Besetzung der Rollen: Alle sprechen und singen sprachlich perfekt und sind deutlich zu verstehen, was leider bei anderen Produktionen nicht immer der Fall ist.

»Die Päpstin« ist leider nur noch 3 Mal im Festspielhaus Neuschwanstein zu sehen.

19. Februar 2026 18.00 Uhr, 20. Februar 2026 19.30 Uhr, 22. Februar 2026 14.00 Uhr

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