Essenszeit: Wiederaufnahme »Der kleine Horrorladen« im Deutschen Theater München

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Ein bisschen skurril, ein bisschen makaber, aber voll witziger Dialoge (Howard Ashman, deutsch von Michael Kunze) und toller Musik, geschrieben von Alan Menken – das ist »Der kleine Horrorladen«. Für nur sechs Shows öffnete er im Deutschen Theater München seine Türen. Dass es sich dabei um eine Wiederaufnahme des Musicals handelte, machte den Spaß daran nicht kleiner.

Die Produktion des Festspielhauses Neuschwanstein war schon einmal im vergangenen Jahr mit ähnlicher Besetzung in München. Thomas Hiermeier und Michael Konicek wechselten sich als Seymour ab, dem verliebten, etwas vertrottelten Pfleger von Audrey II. Ziel seiner Begierde ist die Blumenverkäuferin Audrey, gespielt von Stefanie Gröning. Ihr nimmt man die Rolle des naiven, in den falschen Typen verliebten Mädchens hundertprozentig ab.

Der falsche Typ ist in diesem Fall der sadistische Zahnarzt Orin Scrivello, gespielt von Alexander Kerbst. Kerbst übernimmt jedoch nicht nur die Rolle des Zahnarztes, der dank seiner gemeinen Art das erste Opfer von Audrey II wird und damit nicht nur die Pflanze, sondern auch Audrey und Seymour glücklich macht; er hat mehrere Rollen – angefangen vom Penner in der Skid Row über den amerikanischen Filmproduzenten bis hin zum Käufer der Ableger mit sächsischem Akzent.

Doppelt besetzt ist auch die Rolle von Mr. Mushnik durch Jens Rainer Kalkmann und Lutz Thase, die beide die Rolle auch schon im letzten Jahr gespielt haben und von denen jeder eine eigene Farbe einbringt.

Komplett neu dagegen sind die Soulgirls Sarah Mertens, Theresa Mandlik und Finola Marie Schulze (alternativ Luzia Sahler), die ihren Vorgängerinnen in nichts nachstehen.

Neben den menschlichen Darstellerinnen und Darstellern ist der absolute Star der Show Audrey II, die außerirdische Pflanze, die so gerne Menschen frisst. Sie hat sich weiterentwickelt, was vor allem das Verdienst ihrer Puppenspielerin von Pies Gestalten und Chris Murray ist. Das Zusammenspiel der Bewegungen und Murrays wandelbarer Stimme bringt die Pflanze auf ein ganz neues Level der Lebendigkeit. Viel munterer ist Audrey II schon als kleine Pflanze: Sie gibt nicht nur durch Geräusche ihren Kommentar zur Handlung ab, sondern auch durch Gesten und Bewegungen, was beim Publikum für viele Lacher sorgte. Doch richtig rund geht es dann, wenn sie lautstark nach Futter verlangt und mit »Gib’s mir« Seymour zur Verzweiflung bringt.

Dass die meisten Aktiven auf der Bühne zum festen Ensemble des Festspielhauses Neuschwanstein gehören, ist natürlich ein großer Vorteil. Man kennt sich, und damit klappt es mit der Harmonie und Zusammenarbeit auch zwischen den Tänzerinnen und dem Ensemble perfekt.

Ein absoluter Pluspunkt ist die fünfköpfige Band unter der Leitung von Christian Auer, die die tolle Musik von Alan Menken erst richtig zum Klingen bringt. Und so wird »Der kleine Horrorladen« nicht nur optisch, sondern auch musikalisch zum Highlight.

Denn auch optisch hat man sich viel Mühe gegeben: Im Laufe der Handlung wird aus dem etwas heruntergekommenen Blumenladen ein hübscher, bunter. Aber vor allem die Pflanze Audrey II wächst gewaltig – von der Handpuppe zum Monster, das Menschen mühelos frisst.

Und obwohl die Bühne im Deutschen Theater nicht besonders groß ist, schafft es Zahnarzt Scrivello noch, mit einem echten Motorrad auf der Bühne zu erscheinen. Dass seine Praxis mit Behandlungsstuhl von der Unterbühne heraufschwebt, ist eine der wenigen Möglichkeiten, die das Theater bühnentechnisch hat.

Dafür verwandelt sich zum Schluss die Bühne in einen grünen Urwald; die Puppenspielerin von Audrey II hängt an der Decke und hat ihre Ableger an grünen Bändern auf der Bühne verteilt. Und dass der Herr mit dem grünen Glitzerjackett, der am Ende auf der Bühne steht, Chris Murray und damit die Stimme der Pflanze ist, wird spätestens dann klar, wenn er zu singen anfängt.

Alles in allem war und ist »Der kleine Horrorladen« ein großer Spaß mit tollen Liedern wie »Skid Row«, »Downtown«, »Jetzt hast du Seymour« und natürlich »Gib’s mir«, um nur einige zu nennen. Allerdings: Auch wenn kein Blut fließt, so werden doch Menschen gefressen, und das ist nicht unbedingt für zarte Gemüter geeignet. Doch das Publikum in München kannte das Stück und hat es mit viel Applaus und Standing Ovations gefeiert. Hoffentlich kommt es noch einmal zu einer Wiederaufnahme!