»Vive les Femmes!« – Uraufführung im Theater am Hechtplatz in Zürich

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Die gesellschaftskritische, musikalische Komödie »Vive les Femmes!« hat ihre Uraufführung am 17. September 2026 im Haus Seefeld (Kirchgemeindehaus der reformierten Kirche Zürich im Seefeld) gefeiert, der temporären Spielstätte des Theaters am Hechtplatz. Das Theaterhaus des 1959 gegründeten Theaters am Hechtplatz wird von Januar 2026 bis Frühjahr 2027 für einen weiteren Nutzungszyklus von dreißig Jahren baulich instandgesetzt. Dabei werden der Theatersaal sowie das Foyer unter Bewahrung ihres historischen Charakters sanft restauriert und mit modernster Bühnentechnik ausgestattet. Zudem wird die veraltete Gebäudetechnik erneuert und die fossil betriebene Heizung durch eine klimafreundliche Wärmepumpe ersetzt.

Die Produktion »Vive les Femmes!« unter der Leitung der Regisseurin und Kabarettistin Betty Dieterle ist eine Koproduktion des Vereins ASTARTEMIS und des Theaters am Hechtplatz. Ella Lydia Becker hat die Texte erarbeitet, die von Liedern, komponiert vom Musiker, Produzenten und musikalischen Leiter Roman Wyss, wirkungsvoll ergänzt werden. Ebenso werden die in Schweizerdeutsch verfassten Texte und Dialoge von Ella Lydia Becker von den durch Betty Dieterle satirisch umgedichteten Punk-, Salsa- und Hip-Hop-Coversongs perfekt umrahmt. Die Musik wird über ein Band eingespielt.

Zu Klaviermusik erscheinen auf einem transparenten Bühnenvorhang Schriftzüge (Grafik: Franziska Burkhardt, Visuals: Susanne Hofer) im Stil der schwarz-weißen Stummfilme, die das Theaterpublikum in das Jahr 1926 zurückversetzen. Europa sehnt sich nach den Wirren des Ersten Weltkrieges nach Frieden. Der Alltag der Frauen ist nicht rosig, wie in einer stummen Schauspielszene hinter dem transparenten Vorhang zu sehen ist. Hunger bestimmt den Familienalltag, da der Vater die Familie mit seinem Lohn nicht ernähren kann. Seinen Frust ertränkt er im Alkohol.

Eine weitere Szene zeigt Arbeiterinnen in einer Uhrenfabrik, die sich gegen den Aufseher auflehnen und einen Mindestlohn sowie gerechtere Arbeitszeiten fordern.

1933! Sirenengeheul. Der Schriftzug erklärt, dass die Frauenrechte unter den Nationalsozialisten beschnitten werden. Bilder zeigen die von Bombenangriffen zerstörten Städte. 1945: Frieden! In immer mehr Ländern der Welt erhalten die Frauen das Stimmrecht. Nur nicht in der Schweiz! Doch die Frauen in der Schweiz demonstrieren für die Einführung des Frauenstimmrechtes, das endlich am 7. Februar 1971 nach einer Volksabstimmung eingeführt wird.

Plötzlich ertönen die bekannten Töne der Tagesschau. In einer Videosequenz versetzt der Nachrichtensprecher das Publikum in das Jahr 2030 und informiert, dass es ab sofort nur noch Bundesräte gibt. Die Kultursubventionen sind komplett gestrichen, das VBS (Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport) erhält dagegen alle Zuschüsse. Das Rentenalter der Frauen liegt neu bei 75 Jahren. Zudem kündigt der Wetterbericht für die nächsten Tage 41 Grad Celsius und späteren Starkregen an.

Der durchsichtige Vorhang hebt sich. Auf der hell beleuchteten Bühne sitzen vier Frauen an einem Tisch. Sie rufen zum Frauenstreik im Kanton Zürich oder gar in der ganzen Schweiz auf. Das Theater am Hechtplatz haben sie besetzt und nutzen es als Streiklokal. Ihre Forderungen sind unter anderem:

  • Aufruf zur Verweigerung von Sex, bis das Rentenalter wieder gesenkt wird
  • Verwendung von Biomaterial in den Nagelstudios
  • Faire Löhne für Kulturschaffende

Das Streiklokal ist zweckmäßig eingerichtet (Bühne: Dave Leuthold), mit einem großen Kleiderschrank, einem Sofa und einem gemütlichen Sessel, in dem die fast 100-jährige, schlagfertige, warmherzige und altersweise Hulda (Suly Röthlisberger) strickend sitzt. Währenddessen nehmen die quirlige Debbie (Sarah Spale), die kratzbürstige Aktivistin Zita (Anna-Katharina Rickert) und die unbefangene, lebhafte Isabelle (Angela Hunkeler) Nachrichten über Telefon, Handy oder Videobotschaft entgegen. Dabei erfahren sie, dass der Streik weltweit Beachtung sowie Nachahmerinnen findet. Sogar Campino, Sänger der »Toten Hosen«, sendet eine Grußbotschaft per Video.

Für »Tele Hardbrücke« möchte die schrille Sherilyn (Stefanie Alder) die vier Frauen des Streikbüros befragen. Doch Sherilyn blitzt mit ihrem durch kosmetische Operationen optimierten Körper bei den vier Frauen ab. Nur Hulda ist bereit, mit ihr zu sprechen. Dabei erfährt die junge Frau viel über das entbehrungsreiche Leben von Hulda, die schon als junge Frau für das Frauenstimmrecht kämpfte.

Der nette Frauenversteher Kilian (Ralf Schlatter), der die Frauen bei ihrem Streik unterstützen möchte, bringt selbstgebackenes Brot vorbei.

Aus dem Kleiderschrank tönt lautes Weinen. Sherilyn hat sich hier versteckt, da sie nun einem Shitstorm ausgesetzt ist, nachdem sie positiv über das Streikbüro berichtet hatte. Zudem besuchen die zwei Töchter (in wechselnder Besetzung: Sergej Ivljanin, Assia Ben Othmen, Siri Rodgers, Tilia Rodgers, Alerio Rossetti, Puma Rottmann, Noam Schocht, Adalina Schnoz) ihre Mutter Debbie. Die Mädchen möchten die Mutter zur Heimkehr bewegen, da zu Hause das Chaos ausgebrochen ist. Der überlastete Vater wälzt die Hausarbeit auf die große Tochter ab, die nicht mehr gewillt ist, die Aufgaben der Mutter zu Hause zu übernehmen, während diese streikt. Mit einem humorvollen Song über den anstrengenden Frauenalltag, der aus Kinderhüten, Windeln wechseln, Kuchen backen und vielen weiteren Aufgaben besteht, endet der erste Akt.

Zita klagt zu Beginn des zweiten Aktes über drei Wochen Regen. Zugleich ordnen Debbie und Isabelle Spielzeugtierpaare auf dem großen Tisch im Streikbüro zu einer Warteschlange für die Arche Noah an. Außerdem leidet Isabelle akut unter dem Sexentzug. Die Frauen fragen sich, ob Männer mit auf die Arche sollen. Wenn ja, welche Art von Männern? In diesem Moment erscheint Kilian, der Isabelle mit Komplimenten überschüttet. Gleichzeitig erklärt er, dass er Windeln wechseln, putzen und Wäsche waschen kann und außerdem Slam-Poet ist.

In der eingespielten Videosequenz berichtet der Tagesschausprecher am 19. September 2030, dass das Universitätsspital Zürich wegen des Care-Streiks mit der Hälfte des Personals auskommen muss und die Kindergärten geschlossen sind. Überdies irren hungernde, ungepflegte, unter Sexentzug leidende Männer durch die Straßen von Zürich.

Obendrein erfährt Hulda über die Nachrichten auf dem Handy, dass London und New York überflutet sind. Ebenso steigt in Zürich der Wasserpegel der Limmat bedrohlich an. Da der Strom abgeschaltet ist, sitzen die Frauen im Theater im Dunkeln. Erste Familien fliehen vor der drohenden Flut aus der Stadt. Die Ereignisse überschlagen sich. Schließlich sollen die vom Streiken müden Frauen auf Befehl der Polizei das Theater innerhalb weniger Minuten räumen. Vor der Räumung werden die Frauen jedoch durch die auf Zürich zurollende Flutwelle gerettet, da die Polizei das Zürichberg-Quartier evakuieren muss. Langsam schwappt das Wasser der Limmat auch in die Räume des Theaters, da es in der Nähe des Flussufers liegt. Zu ihrem Glück erscheint Kilian mit einem riesigen, zusammengerollten Segel im Streikbüro und verkündet den hastig packenden Frauen, dass er einen Bachelor in Nautik hat. Rasch schieben sie die Arche ins Streikbüro und hissen das Segel. Gemeinsam segeln sie zu einem Song über die Freundschaft in die ungewisse Zukunft.

Die schwungvolle, pointenreiche, musikalische Komödie ist ein gelungener Mix aus historischen Fakten über 120 Jahre Frauenbewegung, Fiktion sowie nachdenklichen Szenen zu aktuellen Themen wie der Gleichstellung der Frauen und dem Klimawandel.

 

Mit: Sarah Spale, Anna-Katharina Rickert (schön&gut), Ralf Schlatter (schön&gut), Angela Hunkeler, Stefanie Alder, Suly Röthlisberger
Text: Ella Lydia Becker
Musikalische Leitung: Roman Wyss
Regie: Betty Dieterle
Produktionsleitung: Fiammina Catti/Lara Anderegg

Kostüm: Sabrina Moser
Bühne: Dave Leuthold
Regieassistenz: Nives Liliana

Lichtdesign: David Baumgartner und Simon Schmidmeister