Tschauner Revue: Indiana Tschones und das Königreich des Fetzenschädels

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Sie haben es wieder getan: Das Team der Tschauner Bühne in Wien hat auch in dieser Saison eine neue Revue als Angriff auf die Lachmuskeln des Publikums losgelassen. Nach vielen erfolgreichen Produktionen wie »3 Engel für Tschauner«, »Die Tschauners« oder »Tschauner Enterprise« wurde diesmal die Abenteuerfilmreihe »Indiana Jones« als Stegreif-Revue adaptiert (klassischer Stegreif, wo die Dialoge allabendlich neu entstehen, die Handlung, die Charaktere und die Dramaturgie feststehen und mit Gesangs- und Tanzeinlagen verbunden sind).

Federführend war dieses Jahr wieder Thomas Schreiweis, der für das Drehbuch und die Regie verantwortlich ist. Durch seinen verstärkten Einsatz im neu eröffneten Gloria Theater ist er leider nicht selbst mit auf der Bühne bei diesem Stück. Und man muss sagen – er fehlt, und zu wünschen ist, dass er im nächsten Jahr auch wieder bei der Revue zu sehen sein wird. Sein Talent als Darsteller vermisst das Publikum, besonders seine Bühneninteraktionen mit Jürgen Kapaun. Da gibt es eine besondere Chemie, die auch ins Publikum überspringt. Dennoch: Das Ensemble ist bestens bestückt, sind doch altbewährte Darsteller beisammen, die schon so einiges gemeinsam auf die Bühne gebracht haben, und dies spürt man auch. Diese Spielfreude, die Vertrautheit miteinander und dennoch auch der Kitzel, seinen Gegenpart irgendwie herauszufordern – diese Freiheiten und Möglichkeiten gibt ihnen das Element Stegreif und macht jeden Abend zu einem einzigartigen.

In der Hauptrolle des Indiana Tschones darf man sich über Bernhard Viktorin freuen, der einen Helden »der besonderen Art« zum Besten gibt. An seiner Seite kämpfen Valerie Bolzano, Eva D., Jürgen Kapaun, Isabel Meili und Martin Oberhauser. Zum Leading Team gehören neben Schreiweis noch Markus Richter für die musikalische Leitung, Bettina Soriat versorgte die Cast mit Choreografien, Sigrid Dreger mit Kostümen und Monika Krestan mit dem Maskenbild. Petra Fibich-Patzelt schaffte es wieder, für beide Akte zwei wunderbare Bühnenbilder auf die traditionsreiche und jeden Abend verwandelte Bühne zu zaubern.

Die Geschichte des Stückes ist nicht leicht in Worte zu fassen. Als roten Faden können wir festhalten: Nahe der Wiener Innenstadt – genauer gesagt auf der Linken Wienzeile für die Wien-Kenner – löst ein rätselhaftes und mysteriöses Erdloch erstmal Panik bei der Stadtverwaltung aus. Alles wird abgesperrt – vermutet wird, dass eine »Unterspülung durch Wasser« der Auslöser ist. Jedoch ist der zufällig anwesende Indiana Tschones davon überzeugt, dass hier etwas anderes die Ursache ist: Er vermutet genau dort den Eingang in eine verschollene Welt unterhalb von Wien. Schon lange ist er auf der Spur der unterirdischen Pyramide und des sagenumwobenen »Königreichs des Fetzenschädels«! Sollte er hier (ausnahmsweise mal) richtig liegen? Soweit der Faden. Dennoch verspinnen sich dann sehr viele unterschiedliche Nebenhandlungen ineinander und sorgen für ein reges Treiben auf der Bühne, in der Oberwelt und auch in der Unterwelt. Es fällt nicht leicht, da den Überblick zu behalten. Die Storyline (bis auf das mit dem Loch) ist nicht logisch und leicht zu verfolgen– dafür aber gespickt mit viel (gutem!) Humor und jeder Menge Tempo. Und da das Ganze aber doch irgendwie sehr absurd ist, braucht man als Zuseher auch eine ganze Menge Fantasie. Aber die Rechnung geht auf, die Begeisterung ist da und man erlebt einen wunderbaren Abend, der mit Standing Ovations und dem einen oder anderen Ohrwurm im Kopf endet.

Um die Handlung noch ein wenig aufzuschlüsseln – und um nicht selbst zum Fetzenschädel zu werden – gehen wir da einfach mal die verschiedenen Charaktere durch und erzählen hier mehr dazu. Und diese sind auch die wahren Schmuckstücke in der Produktion, man möchte beinahe von allen eine Soloshow haben. Schreiweis hat mit viel Einfallsreichtum und akkurater Eleganz die Grundsteine für die Figuren gelegt.

Als Fazit zu dieser Abenteuerreise lässt sich sagen: Es ist ein unterhaltsamer Abend, der aber auch viel Konzentration erfordert vom Publikum. Es wirkt wie eine Aneinanderreihung verschiedener Szenen, die Hauptstory hätte ein wenig mehr Rahmen gebraucht. Aber machen sie sich selbst ein Bild davon – noch bis Ende September in der wetterfesten OpenAir Bühne Wiens.