CD des Monats November 2026: Rebecca Stuttgart Cast 2012 / Wien Revival Cast 2022

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CD des Monats November 2026: Rebecca

Stuttgart Cast 2012 / Wien Revival Cast 2022

Gil Mehmerts Inszenierung des Kunze/Levay-Hits »Rebecca« hat am Dortmunder Opernhaus voll eingeschlagen – fast alle in dieser Spielzeit angesetzten Vorstellungen sind ausverkauft. Dieser Erfolg liegt sicher auch in der prominenten Besetzung begründet. Besonders beide Darsteller des Maxim de Winter (Mark Seibert und an bestimmten Terminen Jan Ammann) dürften im Fokus der Musicalfans stehen, haben beide doch bereits in großen Ensuite-Produktionen des Werks auf der Bühne gestanden. Ammann spielte den Maxim 2012 in Stuttgart, während Seibert 2022 bei der Wiener Wiederaufnahme die männliche Hauptrolle übernahm. Von beiden Inszenierungen liegen Gesamtaufnahmen vor, die wir anlässlich der Dortmunder Neuinszenierung noch einmal vergleichend unter die Lupe nehmen.

Im Gegensatz zu anderen Stücken des Autorenduos Michael Kunze und Sylvester Levay sind die Veränderungen an Buch und Partitur, die »Rebecca« im Laufe der mittlerweile schon 20 Jahre seit der Wiener Uraufführung erfahren hat, eher marginal und im Detail zu suchen. So wurde für Maxim das Lied ›Zauberhaft natürlich‹ im ersten Akt eingefügt; einige Nummern erfuhren Kürzungen oder Veränderungen; die gezwungen humorige Ensemblenummer ›Wir sind britisch‹ aus der Originalfassung wurde durch das nicht viel stärkere, aber immerhin handlungsrelevantere ›Merkwürdig‹ ersetzt. Die meisten dieser Veränderungen wurden schon zwischen Uraufführung und Stuttgarter Premiere vorgenommen, so dass die beiden hier besprochenen Alben im Wesentlichen die gleiche Fassung des Musicals beinhalten. In der Wiener Version von 2022 kann das 25-köpfige Orchester unter dem Dirigat von Herbert Pichler vor allem aufgrund der größeren Streichergruppe etwas stärker auftrumpfen als die (seinerzeit immerhin noch) 18 Musiker unter Klaus Wilhelms Leitung in der Stuttgarter Aufnahme. Beide Varianten sind zudem vollständig und live im Theater aufgenommen, so dass die wirklich spannenden Unterschiede primär in der Besetzung liegen.

Mark Seibert legt seinen Maxim von Anfang an verletzlicher an als Jan Ammann, der mit seinem klassisch geprägten Bariton schon rein akustisch den geborenen Aristokraten verkörpert und zunächst entsprechend unantastbar wirkt. Bei Seibert spürt man schon früh im Stück, dass dieser Mann eine Menge Gepäck mit sich herumträgt; bei Ammann kommt der Ausbruch in ›Gott, warum?‹ dadurch etwas überraschender. Beide Darsteller bringen somit unterschiedliche darstellerische Facetten und Details in diese Figur ein, was den Vergleich beider Aufnahmen durchaus reizvoll macht – allein, wie gleichermaßen furios und doch unterschiedlich beide etwa das große Solo ›Kein Lächeln war je so kalt‹ gestalten, ist spannend. Aber auch musikalisch ist es spannend, was das jeweilige Stimmtimbre mit den bekannten Liedern macht: Mark Seiberts oft eher leichter geführter Tenor unterstreicht den Pop-Anteil der Komposition, während Ammann mit der Gravitas seiner Stimme einen dramatischeren Grundton setzt. Beide Auslegungen der Partie sind valide und qualitativ ebenbürtig, ob und wem man den Vorzug gibt, dürfte maßgeblich vom persönlichen Geschmack abhängen.

Das gilt auch für die weiteren Rollen, die in beiden Inszenierungen hochkarätig besetzt waren: Als »Ich« war in Stuttgart Valerie Link engagiert, im Wiener Revival Nienke Latten. Letztere arbeitet vielleicht die Entwicklung vom jungen, naiven, wenig selbstbewussten Mädchen zur kämpferischen, starken Frau mit etwas größerer Fallhöhe heraus, während Valerie Link schon früher innere Stärke durchscheinen lässt und so später Mrs Danvers umso kraftvoller Paroli bieten kann. Beide Interpretinnen überzeugen stimmlich mühelos. Als Mrs Danvers liefern sich Willemijn Verkaik (Wien) und Pia Douwes (Stuttgart) ein eindrucksvolles Fernduell: Mit schneidender Härte in Stimme und Haltung, gleichwohl unterschwellig schon durchscheinendem Wahn brilliert Verkaik in dieser dominanten Rolle. Pia Douwes bringt im Vergleich eine etwas mystischere Aura mit, ihre Mrs Danvers schien auf fast romantische Weise von der toten Rebecca besessen zu sein. Auch hier lohnt sich der Vergleich, was zwei großartige Darstellerinnen aus derselben Rolle herausholen können. Große Fußstapfen, in die Bettina Mönch in Dortmund tritt.

Fazit: Ob als Vorbereitung auf den Musicalbesuch oder als Trostpflaster, wenn man kein Ticket mehr bekommen hat: Spannender Vergleich der beiden Dortmunder Maxims anhand der erhältlichen Castaufnahmen.



Stuttgart Cast 2012

48 Titel

CD 1 79 min, CD 2 59 min

Doppel-CD im Jewelcase mit 20-seitigem Booklet mit Credits, Biographien des Kreativteams und Fotos

Wien Revival Cast 2022

45 Titel

CD 1 78 min, CD 2 58 min

Doppel-CD im Jewelcase mit 32-seitigem Booklet mit Credits, Synopsis und Fotos