Central Park und Mondlicht: Wiederaufnahme der »The Addams Family«-Tour

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Auf den deutschsprachigen Bühnen hat sich »The Addams Family«, das Musical zur Film- und Fernsehkultfamilie von Andrew Lippa (Musik & Liedtexte) und Marshall Brickman & Rick Elice (Buch) in der deutschen Übersetzung von Anja Hauptmann, in den vergangenen Jahren mehr als etabliert – es ist gefühlt im Moment eines der meistgespielten Musicals in Deutschland. So ist es auch nicht überraschend, dass die Produktion von DS Entertainment nunmehr den dritten Herbst auf Deutschland- und diesmal auch Österreich-Tour geht. Am 26. September feierte die diesjährige Tour ihre Wiederaufnahme-Premiere im wunderschönen Theater am Marientor in Duisburg (es ist schön, dass dieses Theater wieder mehr mit Musicals bespielt wird), was im Vergleich zum letzten Jahr im Düsseldorfer Capitol eine riesige Verbesserung in Sachen Spielstätte war.

Die Inszenierung von Chris Murray, die in den Besetzungen der Hauptrollen weitgehend gleichgeblieben ist, zeigt sich wieder als absolut stückdienlich und -tauglich: Genauso stellt man sich die bekannten Charaktere aus der Welt des Charles Addams vor – der charmante Gomez, die ebenso strenge wie sexy Morticia, die düstere Wednesday und ihr jüngerer Bruder, der sich so gerne von ihr foltern lässt. Werner Wulz ist der liebevolle Vater und immer noch verliebte Ehemann, der zwischen seinen beiden starken Frauen vermitteln will (und außerdem damit fertig werden muss, dass seine kleine Tochter erwachsen geworden ist). Er ist sowohl seiner Tochter ein liebevoller Vater als auch seiner Ehefrau ein ergebener Gatte. Letztere wird eindrucksvoll von Diane Lübbert dargestellt, die das Charisma dieser Frau fühlbar werden lässt. Eine Bilderbuch-Wednesday ist Sarah Gadinger, die genau dem Bild entspricht, das man sich von ihrer Figur macht. Ihr liebevoll-tollpatschiger Freund Lucas Beineke ist mit Daniel Hauser schönstimmig und typgenau besetzt. Das junge Paar, das mit den jeweiligen Familien nur ›eine normale Nacht‹ haben möchte, muss sich in einer zunehmend chaotischen Situation behaupten – nicht zuletzt ausgelöst durch das Addams-Spiel ›Sag die Wahrheit‹ –, während es in beiden Elternbeziehungen kriselt: bei Morticia und Gomez, weil er ihr nicht verraten hat, dass es Wednesday mit ihrem Freund ernst ist, und beim Ehepaar Beineke, weil sich Alice (von Birgitt Widmann sehr nachvollziehbar dargestellt), die selbst eine künstlerische Ader hat, mit ihrem Mann Mal zu Tode langweilt. Dieser ist zu einem bornierten Spießer geworden, was von Daniel Witzke grandios und glaubwürdig auf die Bühne gebracht wird.

Mit Hilfe von Onkel Fester (Alexander Janacek, einfach zum Liebhaben), der Großmutter, von der niemand so recht weiß, mit wem sie eigentlich verwandt ist (Ilona Wulff-Lübbert als Alt-Hippie), und den Ahnen (Stefan Gregor Schmitz, Leonhard Lechner, Chris Loebelt, Laura Stefani, Rosie Porter, Ana Ramirez) kommt schließlich alles wieder in Ordnung: Gomez und Morticia werden die Pariser Kanalisation besichtigen, Mal Beineke wird sich auf seine abenteuerlustige Jugend besinnen und wieder mehr auf seine Frau eingehen, Wednesday und Lucas verloben sich. Pugsley (Maik Dehnelt überzeugt als masochistischer Bruder, der Angst hat, seine große Schwester zu verlieren) ist erleichtert, dass Wednesday ihn bis auf Weiteres weiter foltern wird, während Fester mit einer selbstgebastelten Rakete endlich seine große Liebe ›La Luna‹ besuchen wird. Sogar Butler Lurch (Benoit Pitre ist als sich im Schneckentempo bewegender Zombie-Butler der heimliche Star der Show) findet seine Stimme wieder zum großen Finale ›Tauch hinab ins Dunkel‹.

Regisseur Chris Murray und Choreograf Harald Kratochwil haben das ohnehin starke Stück ebenso schnörkellos wie treffgenau auf der Bühne umgesetzt. Das Publikum findet seine Lieblingscharaktere (viele kamen kostümiert) wieder und fiebert mit ihnen mit bis zum glücklichen Ende. Die Ausstattung von DS Entertainment ist mit einem Gitter, der Wohnungstür, dem Friedhof und einigen Requisiten ebenso atmosphärisch wie tourtauglich. Die Produktion ist noch bis zum 31. Oktober (sicher auch als Halloween-Stück ein Hit!) in Deutschland und Österreich zu erleben – wer einen netten Abend haben möchte, dem sei sie ans Herz gelegt!