Was bekommt man, wenn man einen talentierten Komponisten, vier großartige Solisten und fünf hochprofessionelle Musiker nimmt: ein Konzert der Extraklasse. So wie das von und mit Frank Nimsgern am 20. September im Saarländischen Staatstheater Saarbrücken.
So beginnt der Abend mit dem sehr melodischen ›Le Feu de l’Eau‹ aus Nimsgerns letztem Werk ›Die Zauberflöte‹, stimmlich untermalt von Aino Laos und Immanuel Grau, der kurzfristig für Riccardo Greco eingesprungen war. Mit den Worten »Wir sind wieder da« kündigt Frank Nimsgern die einzige Sängerin des Abends, Aino Laos, an, die mit ›Queen Superstar‹ aus dem Musical »SnoWhite« Erinnerungen weckte, denn dieses Musical feierte am 08.10.2000 im Saarländischen Staatstheater Weltpremiere.
Einer, der von dem Saarländer Publikum schon fast adoptiert wurde und der hier neben Aino Laos zu den absoluten Lieblingen gehört, ist der stimmgewaltige Chris Murray, der im silbernen Anzug auch mit ›Dies ist die Stunde‹ aus »Jekyll und Hyde« einmal mehr bewies, dass er auch die leisen, einfühlsamen Töne beherrscht. (er wird in dieser Rolle auch im kommenden Jahr im nicht weit entfernten St. Wendel zu erleben sein.)
Murray wird nächstes Jahr beim Jubiläum des Nimsgern-Musicals »Der Ring« wieder als Zwerg Alberich dabei sein. 2007 feierte das Stück Uraufführung und wird 2027 in Füssen wiederauferstehen. In seiner Einführung zum Lied ›Macht‹ wandte sich Murray an die Zuschauerinnen und Zuschauer und fragte »Was würden Sie sich wünschen, wenn sie solch einen Ring der Macht hätten? Ich persönlich würde mir Frieden wünschen und Güte und Liebe da hinbringen, wo sie fehlen«. Mit diesen Worten sprach er bestimmt vielen aus dem Herzen. Dass Zwerg Alberich eigentlich nur ein bisschen Spaß haben wollte und Gott Wotan ihm den vermieste, ist dann die Fortsetzung der Geschichte, die Murray einfühlsam beginnt und dann explosiv und stimmgewaltig beendet.
Mit ganz anderen Tönen und Fabrizio Levita ging es dann mit ›Freedom‹ von George Michael weiter. Er erinnerte damit an das gleichnamige Stück, das getanzt in Pforzheim aufgeführt wurde und zu dem Frank Nimsgern die Arrangements geschrieben hat.
Mit ›Frei wie der Wind‹, gesungen von Aino Laos, und ›Wohin der Weg mich führt‹, zum ersten Mal von Chris Murray gesungen, ging es zurück zu »SnoWhite«, bevor sich mit einer überaus modernen Version von Johann Sebastian Bachs ›Bandineri‹ Wolfgang Mertens als der Mann mit der Geige offiziell präsentierte und gleichzeitig die großartige Band mit Marc Rohles (Keys), David Anlauff (Schlagzeug) und Stefan Engelmann (Bass) vorstellte.
Gar nicht ›Unsichtbar‹ (»Die Zauberflöte«) präsentierten sich Aino Laos und Immanuel Grau, bevor noch einmal Chris Murray ein paar wunderschöne Worte zu dem Lied ›A million dreams‹ (aus dem Film »The Greatest Showman«) fand. Er erklärte, dass, während andere ein weißes Blatt sehen, Frank Nimsgern dort Töne, Farben, Ideen und Gedanken sieht und sie umsetzt. Das ist es, was Musik ausmacht. Aber durch die KI könne das alles zunichte gemacht werden, denn, so Murray weiter, er habe schon gehört, dass sich jemand einfach mal 90 Lieder von der KI habe schreiben lassen und mit einer Auswahl daraus schon ein Musical produziert habe. Es klingt lustig, ist aber wirklich eine sehr traurige Entwicklung. Dann geht es mit ›Der Hölle Rache‹ und ›Spiel des Lebens‹ aus »Die Zauberflöte« in die Pause.
›Mach dich schön‹ forderte Aino Laos nach der Pause, bevor es klassisch rockig mit ›Franks Bach‹ weiterging, perfekt zelebriert von Frank Nimsgern und Wolfgang Mertens, Gitarre und Geige. Mit ›Anthem‹ aus dem Musical »Chess« der beiden ABBA-Männer, Benny Andersson Björn Ulvaeus, gesungen von Chris Murray, gefühlvoll begleitet von Frank Nimsgern am Piano, begann der nächste Block klassisch, um rockig mit ›Rache ist süß‹, gesungen von Chris Murray, und ›Ohne dich‹, gesungen von Aino Laos, mit „Der Zauberflöte“ weiterzugehen. Mit ›Vivaldi on the Rocks‹ zeigte einmal mehr Wolfgang Mertens sein Können auf der Geige.
»Paradise of Pain« feierte 1999 ebenfalls im Saarländischen Staatstheater Saarbrücken Uraufführung und erlebte 2015 eine weitere Inszenierung dort. Mit ›Break the silence‹ erinnerten Aino Laos und Chris Murray an das Stück, das sie beide zu unterschiedlichen Zeiten schon in Saarbrücken gesungen haben. Ein kompletter Stilwechsel folgte mit Fabrizio Levita und ›I‘m Still Standing‹ aus »Rocketman« von Elton John.
›Ich geh mit dir‹ (Aino Laos und Immanuel Grau) aus der »Zauberflöte« und ›Der Spieler‹ (Chris Murray, Aino Laos und Immanuel Grau) aus »Der Ring« läuteten das Ende ein, denn zu ›From now on‹ (»The Greatest Showman« und ›Can You See the Light‹ (aus Frank Nimsgerns »Elements«) versammelten sich dann alle auf der Bühne, unterstützt zusätzlich von Knut Bausch an der zweiten Gitarre, der auch für das Sounddesign zuständig war.
Mit Standing Ovations, minutenlangem Applaus und lauten Zugaberufen schaffte es das begeisterte Publikum, mit ›Don’t stop believin‘‹ (»Journey«) noch eine weitere Zugabe zu bekommen, bevor dieser tolle Abend mit einem Meet and Greet zu Ende ging.
Vielen Dank an Frank Nimsgern für all die wunderbare Musik, Aino Laos, ohne die seine Musik nicht denkbar wäre, an Chris Murray, der jedem seiner Lieder sowohl stimmlich als auch darstellerisch einen ganz eigenen Charakter gibt, an Fabrizio Levita, der einen Hauch Popmusik mit hineinbrachte, an Immanuel Grau, der sich kurzfrisitg perfekt einbrachte und mit seiner ganz besonderen Stimmfarbe ein echter Gewinn war, an Wolfgang Mertens, der die Geige nicht nur im Solo, sondern auch in den Arrangements von Frank Nimsgern zum Singen brachte, und natürlich an die Band.
Wunderbar untermalt wurde der Abend auch durch die Videos von Elmar Ottenthal und das Lichtdesign von Kai Becker und Benny Drumm, so dass dieser Abend nicht nur akustisch, sondern auch optisch ein Erlebnis war.

