CD des Monats: April 2026

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Frank Wildhorn – The Symphonic Suites

Vienna Independent Orchestra

Frank Wildhorn hat in den letzten Jahren ganz offensichtlich verstärkt Freude an der Arbeit für und mit großen Orchestern im Crossover-Bereich zwischen Klassik und Musical gefunden. Nach seinen beiden ersten Sinfonien (eine dritte ist fertig und wurde unlängst in Wien eingespielt) legen HitSquad Records auf ihrem Sub-Label Prestige Classics Vienna nun ein Album mit vier Suiten aus Wildhorns Musicals vor. Koen Schoots, seit bald dreißig Jahren einer der engsten musikalischen Mitarbeiter des Komponisten, dirigiert das »Vienna Independent Orchestra«, ein eigens zusammengestelltes Ensemble, das aus 60 (!) Mitgliedern der Wiener Philharmoniker und der Wiener Symphoniker besteht, mithin eine Auswahl aus zweien der weltbesten Orchester überhaupt. Frank Wildhorns Freund Walter Feucht, der schon maßgeblich die Entstehung der Donau- und Odessa-Sinfonien initiierte, steckt auch hier als treibende Kraft hinter diesem Brückenschlag zwischen den musikalischen Welten.

Ähnliche Projekte gab es schon mit Werken von Andrew Lloyd Webber oder Claude-Michel Schönberg. Dass sich auch Frank Wildhorns Kompositionen bestens für die Verarbeitung in sinfonischen Suiten eignen, in denen ohne Gesang und Liedtexte allein die Instrumente die Melodien tragen und die Geschichte erzählen, beweist dieses Album nachdrücklich. Los geht es mit »Dracula«, das zwar am Broadway scheiterte, aber seit vielen Jahren zum festen Repertoire der Bühnen im deutschsprachigen Raum zählt. Die düster-romantischen Melodien kommen in der Orchestrierung von Koen Schoots (der drei der hier versammelten Suiten arrangierte, nur »Jekyll & Hyde« verantwortete Kim Scharnberg) prächtig zur Geltung und verdeutlichen in diesem 20-minütigen Kondensat, dass diese Partitur in eine Reihe mit Wildhorns besten Arbeiten gehört.

Dass der »Überhit« des Komponisten hier ebenfalls zu sinfonischen Ehren kommt, war keine Überraschung, stellt »Jekyll & Hyde« doch nicht nur Frank Wildhorns mit Abstand bekanntestes Musical dar, sondern nach weitverbreiteter Meinung auch eine seiner gelungensten Partituren. All die beliebten Melodien finden sich natürlich auch in der sinfonischen Suite und illustrieren die schaurig-schöne Handlung, in bester Tradition klassischer Programmmusik bzw. Tondichtungen, wie sie besonders in der Spätromantik in Mode kamen.

Überraschend ist hingegen, dass mit »Einstein – A Matter Of Time« auch eines der jüngsten Bühnenwerke von Frank Wildhorn auf diesem Album vertreten ist. Eine willkommene Gelegenheit zur erneuten Bewertung dieses Scores. Auch hier hat Arrangeur Koen Schoots hervorragende Arbeit geleistet: Wenn sich in den ersten Minuten aus dissonantem Chaos eine Ordnung bildet und schließlich ein berückendes Geigensolo emporsteigt, wirkt das wie eine musikalische Umsetzung der physikalischen Forschung Albert Einsteins. Überhaupt macht die Suite Lust, das Castalbum zur St. Gallener Uraufführung nochmal aus dem Regal zu ziehen.

Abschließend geht es mit »Artus – Excalibur« in die Welt der Fantasy und des Mittelalters. Auch dieses Konzentrat der Partitur auf gut 18 Minuten macht deutlich, wieviel gelungene und »orchestertaugliche« Musik in diesem Werk steckt, das inmitten all der Wildhorn-Musicals bislang (zumindest beim Rezensenten) etwas unter ferner liefen rangierte. Überhaupt ruft dieses Album einmal mehr in Erinnerung, was Frank Wildhorn am besten kann: Große Melodien schreiben, die sich für emotionale Momente auf der Bühne perfekt eignen, aber (wie hier zu hören) mindestens ebenso gut für die Interpretation mit ganz großem Orchesterbesteck. Vielleicht darf man also auf eine Fortsetzung hoffen, mit »The Scarlet Pimpernel«, »Rudolf – Der letzte Kuss« oder »Der Graf von Monte Cristo« fallen einem auf Anhieb mehrere Shows ein, die sich für eine solche sinfonische Behandlung eignen würden.

Fazit: Gelungene sinfonische Bearbeitung großer Musical-Melodien.

4 Titel

74:10 min

CD im Digipack mit 20-seitigem Booklet mit Credits, Liner Notes, Biografien und Fotos

Titelliste:

01. Dracula
02. Jekyll & Hyde
03. Einstein – A Matter Of Time
04. Artus – Excalibur