Das Festspielhaus in Füssen hatte sich für seine diesjährige Leistungsshow etwas Besonderes einfallen lassen: Journalist und Fernsehmoderator Günther Jauch, der auch die Weine des familieneigenen Weinguts im Foyer präsentierte, war zu Gast auf der Bühne und beantwortete in mehreren Interviewblöcken eingereichte Fragen aus dem Publikum in sehr charmanter Weise. Da auch noch Ausschnitte aus allen Stücken der Saison 2026/27 gezeigt wurden, näherte man sich von der Länge her fast dem für seine Länge bekannten »Mitternachtsball« an – da war es wohl gut, dass es schon um 15 Uhr losging.
Das erste Stück, aus dem Ausschnitte zu erleben waren, war die Uraufführung des vergangenen Sommers, die ab Dezember auch im Festspielhaus zu sehen sein wird: »Das zauberhafte Land von Oz«. Finola Schulze, Chris Murray, Michael Schneider, Stefanie Gröning, Martin Markert und das Ensemble des Festspielhauses machten mit den Nummern ›Habt ihr schon gehört?‹, ›Schatten in der Nacht‹, ›Der goldene Weg‹, ›Ich bin der Zauberer von Oz‹ und ›Wo der Zauber regiert‹ kräftig Reklame für die neue, leicht modernisierte Version des märchenhaften Stücks.
Und dann kam der Stargast des Abends zum ersten Mal zu Wort. Moderator Alexander Houben fiel es zu, ausgewählte Fragen, die vorab beim Publikum gesammelt worden waren, an Günther Jauch zu stellen. Gleich die erste führte zu einer Klarstellung: Nicht Fernsehmoderator, sondern Journalist sei seine Berufsbezeichnung. Das habe er gelernt, und als solcher habe er in den ersten Jahren seiner Karriere beim Radio und auch noch beim Fernsehen gearbeitet. Außerdem wurde von Houben auch Eigentümer und Mäzen Manfred Rietzler sehr herzlich begrüßt – völlig zu Recht wurden seine Verdienste um das Festspielhaus hervorgehoben.
Dann ging es weiter mit Ausschnitten aus einem weiteren Eigengewächs des Festspielhauses: »Cinderella«. Hier konnten vor allem Cinderella Stefanie Gröning und Eichhörnchen Michael Schneider das Publikum in ihrer Nummer ›Mein allererster Ball‹ bezaubern. Aber auch das Prinzensolo ›Im goldenen Käfig geboren‹, das schöne Duett ›Zauber dieser Nacht‹ (Finola Schulze und Martin Markert) sowie die prächtig gewandeten Ensemblenummern kamen beim Publikum gut an.
Nachdem Günther Jauch weitere Fragen beantwortet hatte – unter anderem zu seiner Verbindung zum Allgäu (die er nicht wirklich hat, aber es gefällt ihm dort) –, kamen mit »Die Päpstin« und »Zeppelin« zwei weitere sehr beliebte Füssener Produktionen zu Gehör. Kristin Backes und Matthias Stockinger als Johanna und Gerold überzeugten solo, am meisten aber im wunderschönen Duett ›Wehrlos‹.
Das Musical »Zeppelin« von Ralph Siegel wird ab nächster Woche in Füssen zu sehen sein. Was hier in gelungener Showmanier Chris Murray (›When you’re on top‹) und Kathryn Wiekhorst (›New York‹) zum Vergnügen des Publikums auf die Bühne brachten, war ebenso beeindruckend wie das schöne lyrische Duett ›Wo du bist, will ich sein‹ (Stefanie Gröning und Tim Wilhelm) und die dramatische Ballade des Letzteren ›Ich hab gelebt‹.
Nach einer weiteren Gesprächsrunde – Jauch zeigte sich angenehm bescheiden und gestand, sehr viel Glück in seinem Leben gehabt zu haben – gab es einen Vorgeschmack auf die kommende Weihnachtszeit. Besinnlich sang Luzia Sahler das ›Lied eines Engels‹, Chris Murray erntete mit seiner ergreifenden Interpretation von Scrooges Lebensbeichte ›Was habe ich getan‹ den mit größten Applaus des Abends, und Kathryn Wiekhorst begeisterte mit der Schilderung der kulinarischen Genüsse des Weihnachtsfestmahls als Mrs. Fezziwig. Danach gab es in der Pause die Gelegenheit, die Weine von Von Othegraven (das Weingut aus der mütterlichen Familie Jauchs) zu probieren.
Der zweite Teil brachte einen Ausflug in die Dichtkunst: Kai Wiegmann von der Gruppe »Tropfen und Töne« rezitierte ein eigens geschriebenes Gedicht. Dann folgte ein Ausblick auf ein Stück, das gerade erst entsteht: Tim Wilhelm brachte dem Publikum mit seiner Gitarre den Refrain des ›Liedes vom Fuchs‹ aus dem neu entstehenden Musical »Der kleine Prinz« bei, und dieses sang dann bei seiner Darbietung des Liedes auch brav mit. Alle hatten viel Spaß, nicht zuletzt der Sänger selbst.
Auch danach ging es mit Neuem weiter: Das Stück »Die Wemmicks« wird im Sommer 2027 das Licht der Welt erblicken. Es erzählt die Geschichte der Wemmicks (kleine Holzfiguren, ähnlich wie Pinocchio), die eigentlich ein friedliches Leben führten, bis einer von ihnen nach Macht strebt und versucht, alle anderen zu beherrschen – notfalls mit Gewalt. Mit den Liedern ›Wie ein Stern‹ (Martin Markert), ›Macht und Liebe‹ (Markert und Finola Schulze), ›Endlich frei‹ (Robin Ziehbrunner) und ›Süße Füße‹ (Michael Schneider als Baum im Blumentopf) bekam das Publikum einen ersten Eindruck.
Mit Dirk Schattner vom Festspielhaus, der bei vielen der Musicals auch die Regie führt, ging es in die nächste, interessante Gesprächsrunde. Günther Jauch, der mit seiner Frau angereist war, erzählte amüsiert, dass er als Papa in einer Ballett-Schulaufführung seiner Töchter fälschlicherweise den falschen »Maikäfer« gefilmt hatte – eine Anekdote, die ihn in der Familie bis heute verfolgt.
Dann ging es weiter mit »Zauberflöte«. Die Königin der Nacht Kathryn Wiekhorst beschwor mit großartiger Stimme und Temperament ›Sakrileg‹ und ›Der Hölle Rache‹ aus Frank Nimsgerns Musical, während Chris Murray als Monostatos stimmgewaltig ›Rache ist süß‹ schwor. Die Ballade ›Ohne dich‹ wurde von Finola Schulze gesungen, die fröhliche Vogelfamilienidylle ›A und O‹ präsentierten Stefanie Gröning, Tim Wilhelm und Michael Schneider.
Auf vielfachen Wunsch wird es 2027 ein Wiedersehen und -hören mit dem Musical »Der Ring« von Frank Nimsgern geben. Es erzählt die Geschichte des Rings des Nibelungen, aber nicht wie in der Oper über vier Tage und viele Stunden lang, sondern komprimiert auf drei Stunden mit viel rockiger Musik und großartigem Bühnenbild. ›Macht‹ ist das Thema, und die Stimme von Chris Murray machte dies als Zwerg Alberich, der mit dem Ring der Macht doch eigentlich nur Spaß wollte, auch machtvoll klar. ›Lass uns Erinnerung sein‹, wunderbar interpretiert von Kristin Backes und Matthias Stockinger als Göttervater und -tochter, bewies, dass es im Musical »Der Ring« auch sehr einfühlsame Balladen gibt.
Mit dem Dauerbrenner »Ludwig²« näherte sich der Nachmittag, der inzwischen zum Abend geworden war, langsam dem Ende. Kathryn Wiekhorst in der Rolle von Ludwigs Kindermädchen Sybille Meilhaus eröffnete den Block mit den bekannten Liedern des Musicals. Weiter ging es mit ›In Palästen geboren‹. Stefanie Gröning – kaum wiederzuerkennen als Kaiserin Elisabeth – und Matthias Stockinger als König Ludwig sangen dieses wunderbare Lied, bevor Martin Markert als Schattenmann (der Ludwig am Ende des Musicals als Auftragsmörder erschießt) die packende ›Schattenarie‹ interpretierte. Ein absolutes Highlight war Ludwigs Hymne ›Kalte Sterne‹, gewohnt kraftvoll gesungen von Matthias Stockinger als König Ludwig.
Natürlich musste der König dann auch noch den Gast des Abends, Günther Jauch, auf der Bühne begrüßen. Dieser war voll des Lobes über die großartige Leistung des gesamten Ensembles und bewies mit seiner Bescheidenheit und Höflichkeit einmal mehr, warum er seit Jahrzehnten einer der beliebtesten Moderatoren des Landes ist.
Mit begeisterten Zugaberufen – es gab noch das große »Ludwig«-Finale mit allen Beteiligten – und Standing Ovations bedankte sich das Publikum für diesen wirklich langen, aber extrem kurzweiligen Nachmittag und für die vielen Einblicke in die Musicals, die hier gespielt werden und noch kommen. Man muss sagen: Ein Besuch des Festspielhauses Neuschwanstein lohnt sich, da wirklich für jeden etwas geboten wird – vom Kinderstück bis zum Klassiker, von fröhlich bis tief ernst. Und neben einem tollen Ensemble, das oft durch namhafte Stargäste unterstützt wird, machen die große Drehbühne, der eingebaute See sowie die riesige Ton- und Lichtanlage den Besuch nicht nur zum akustischen, sondern auch zum optischen Erlebnis.
Buchen lohnt sich übrigens im Moment besonders: Sowohl für »Zeppelin« als auch für »Der Geist der Weihnacht« gibt es derzeit attraktive Sonderaktionen auf der Website des Festspielhauses.

