Backstage bei »Die Addams Family« an der Bayerischen Theaterakademie August Everding

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Am kommenden Freitag, 14. November, hat die diesjährige Produktion der Bayerischen Theaterakademie August Everding Premiere. In diesem Jahr wird ein vermeintlicher Klassiker ganz jung und frisch interpretiert und wir durften vorab schon hinter die Kulissen blicken und Interviews mit dem Regisseur Malte C. Lachmann, der Kostümbildnerin Jakob Knapp und der Wednesday-Darstellerin Melanie Maderegger führen.

Interview mit Regisseur Malte C. Lachmann

Malte C. Lachmann Foto: Isabel Machado Rios

blickpunkt musical: Lieber Herr Lachmann, für Sie ist »Die Addams Family« ein echtes Heimspiel – Sie haben an der Bayerischen Theaterakademie August Everding Ihre Ausbildung gemacht, und neben Ihren beachtenswerten Erfolgen in der Theaterszene unterrichten Sie auch dort auch immer wieder. Wie kam die Entscheidung, dass Sie diese Inszenierung dort machen – wollten Sie unbedingt das Stück machen und haben es vorgeschlagen oder kam die Akademie auf Sie zu mit der Bitte, das Stück zu machen?

Malte C. Lachmann: Es fühlt sich wirklich wie ein Heimspiel an, weil mir das Theater und die Menschen, die hier arbeiten, so vertraut sind. Deswegen habe ich mich wahnsinnig gefreut, als Marianne Larsen, die Leiterin des Studiengangs Musical, auf mich zugekommen ist und mich gefragt hat, ob ich »The Addams Family« inszenieren möchte. Für mich ist das gleich eine doppelte Premiere: Zum ersten Mal inszeniere ich nach dem Studium im Großen Haus des Prinzregententheaters und zum ersten Mal inszeniere ich ein Material zum zweiten Mal, was den Stückvorschlag der Theaterakademie für mich besonders attraktiv gemacht hat.

blimu: Hier jetzt zu inszenieren fühlt sich für Sie besonders befreiend an, weil sie alle und alles so gut kennen – oder sorgt genau das auch für inneren Druck, weil die vermeintliche Versagensangst vor allen Kollegen umso höher ist? (Falls es so eine Form der Angst überhaupt für Sie gibt.)

MCL: Gottseidank ist es ja so, dass die Versagensangst mit wachsender Erfahrung abnimmt. Und in diesem Fall bin ich hier an der Theaterakademie als Regisseur umgeben von gut funktionierenden Abteilungen. Natürlich ist es trotzdem immer wieder aufregend, mit neuen Kolleg:innen zu arbeiten, von denen man nicht weiß, wie sie ticken. Denn das Leading-Team ist hier komplett neu zusammengestellt und hat in dieser Zusammensetzung noch nie zusammengearbeitet. Aber insgesamt kann ich sagen, dass ich die Arbeit hier als vergleichsweise druckarm empfunden habe.

blimu: »The Addams Family« war am Broadway mittelmäßig erfolgreich, die Macher haben dann aber die Chance ergriffen, das Stück noch einmal überarbeitet, und mittlerweile gilt es als eins der meistgespielten Stücke weltweit. Sie haben das Stück bereits im Theater an der Rott inszeniert und sich jetzt wieder intensiv damit auseinandergesetzt – was macht für Sie die Qualität des Stücks aus?

MCL: Ich glaube, dass es zum einen der thematische Schwerpunkt »Familie« ist, mit dem das Publikum sich identifizieren kann. Denn jede:r hat eine Familie – selbst dann, wenn die Kernfamilie abhandengekommen ist oder noch nie vorhanden war, – dann im Sinne einer Wahlfamilie. Dann natürlich die Mechanik der Komik, die der weltbekannten Vorlage des Musicals eingeschrieben ist: Dass alles, was der Mainstream als »normal« empfindet, bei den Addams ins Gegenteil verkehrt ist, ist einfach wahnsinnig komisch. Und letztlich ist die Musik und das Buch an sich extrem dicht und handwerklich gut geschrieben. Das habe ich schon in der Vorbereitung für die Freilichtinszenierung am Theater an der Rott gemerkt und das merke ich auch hier wieder: Als Regisseur muss man da extrem gut vorbereitet sein und wissen, was – bei aller Freiheit für die Spielenden – passieren muss, damit die Situationen auf der Bühne funktionieren. Aber wenn sie funktionieren, dann haben sie auch ein großes Begeisterungspotenzial für das Publikum.

blimu: Am Theater an der Rott hatten Sie »normale« Voraussetzungen, was z. B. die Besetzung betrifft, und konnten altersgerecht casten. Dies ist bei den Inszenierungen an der August -Everding-Akademie ja immer eine besondere Herausforderung – wie haben Sie sich dieser gestellt, liegt da auch ein gewisser Reiz für einen Regisseur, solche vermeintlichen Probleme kreativ zu lösen, damit es dann für den Zuschauer am Schluss doch alles wieder passt?

MCL: Na klar! Alles, was an Eckpunkten von außen vorgegeben ist, macht – wenigstens bis zu einem gewissen Punkt – kreativ. In unserem Fall galt es für uns als Regieteam, ein Konzept für ein Generationendrama zu entwickeln, das mit lauter Gleichaltrigen besetzt ist. Wir fanden es dann spannend, genau das in den Mittelpunkt zu rücken und gar nicht erst zu behaupten, dass ein 22-Jähriger einen 83-Jährigen spielt. Deswegen gehen wir von den Studierenden selbst aus: Schon die Pre-Show zeigt, wie sich Studierende mit dem Themenkomplex »Familie« auseinandersetzen. Und auch auf der Bühne des Prinzregententheaters legen wir die Theatermittel offen und zeigen, wie die Studierenden das Musical nutzen, um sich mit dem und für das Publikum inhaltlich abzuarbeiten. Darin liegt ein besonderer Reiz für mich: So entsteht eine neue Perspektive auf das Werk von Andrew Lippa statt einer reinen Reproduktion einer Uraufführungsinszenierung, ohne dass der hohe Unterhaltungsfaktor des Musicals verloren geht.

blimu: Vom Alter unabhängig kann ich mir vorstellen, dass die Arbeit mit den jungen – noch – Studierenden auf vielen Ebenen anders ist, als an einem Theater auf gestandene Schauspieler zu treffen. Wo liegen in Ihren Augen die Vorzüge, wo die Herausforderungen?

MCL: Die Vorzüge – das wurde mir sehr schnell nach Probenbeginn klar – liegen in dem hohen Grad an Motivation und damit in der spielerischen Energie und perfekten Vorbereitung (für die an der Theaterakademie natürlich auch die Dozierenden sorgen). Und natürlich muss man an der einen oder anderen Stelle auch mal etwas länger arbeiten, um zu dem gleichen Ergebnis zu kommen wie bei erfahreneren Spielenden, oder damit umgehen, dass gewisse Kommunikationsformen und -wege noch nicht so eingeübt sind wie bei Arrivierteren. Aber insgesamt muss ich sagen, dass ich sofort wieder mit Musical-Studierenden arbeiten würde, denn der Prozess hat mir wirklich großen Spaß gemacht.

blimu: Die Inszenierungen der Bayerischen Theaterakademie August Everding haben immer einen ganz besonderen Kniff. Im vergangenen Jahr waren es z. B. die drei Darsteller, die sich den Mozart in »MOZART!« geteilt haben. Was macht diese »Addams«-Produktion dieses Jahr außergewöhnlich?

MCL: Wie gesagt: Wir legen offen, wie der Theaterabend entsteht. Dazu haben wir uns gefragt, mit welchen Mitteln das besonders gut geht. Und dabei sind der Bühnenbildner Stephan Prattes und ich darauf gekommen, dass wir zu dem zurückgehen müssen, wie Kinder Theater spielen: Ganz basal eben, als Kasperltheater oder als Schattenspiel. Und weil das Schattenspiel so gut zur Schwarz-Weiß-Ästhetik der »Addams-Family«-Vorlage passt, haben wir diesen Mechanismus als Grundlage genommen und dann auf die Bühnengröße des Prinzregententheaters skaliert. So viel kann ich also verraten: Es gibt ein riesiges, für mich absolut faszinierend großes Tuch, aus dem die Studierenden alle Situationen bauen und mit dem sie eben auch Schattenspiele machen.

blimu: Da dies ein zentrales Element ist: Können Sie uns das näher erklären, wo genau Sie was für welchen Effekt nutzen?

MCL: Das Schattenspiel bildet erst einmal den Hintergrund für die Szenen und etabliert die Orte, an denen das Stück spielt. Es verselbstständigt sich dann aber auch, zeigt eigene Szenenfragmente und kommentiert die Handlung. Und letztlich nutzen wir das besagte riesige Tuch gar nicht nur als Projektionsfläche, sondern auch als Spielpartner an sich.

blimu: Die Premiere steht unmittelbar bevor, jetzt geht es im Grunde genommen um den Feinschliff. Haben Sie Momente im Stück, wo Sie während der Proben sitzen und sich denken: »Wow, das ist mir, bzw. uns, in der Umsetzung aber wirklich ganz besonders gut gelungen?«

MCL: Eigentlich denke ich mir meistens: »Wow, das ist UNS aber wirklich ganz besonders gut gelungen!«, denn meine Arbeit als Regisseur besteht ja vor allem darin, mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten, damit ein bestmögliches Ergebnis auf die Bühne kommt. Im Fall von »The Addams Family« geht mir das vor allem so mit Szenen, die die Studierenden wirklich sehr dicht, emotional tiefschürfend und sehr, sehr witzig spielen. Da bin ich auf uns alle richtig stolz! Darüber hinaus gibt es aber auch ein, zwei Effekte, an denen wir mit den technischen Gewerken lange gearbeitet haben und die wirklich toll geworden sind: Wie Onkel Fester zum Beispiel am Ende des Stückes in den Himmel fliegt, hat für mich so einen »Wow«-Effekt. Und was die Studierenden des Studiengangs Maskenbild geschaffen haben, ist – zusammengenommen mit den Kostümen – wirklich vom Feinsten!

blimu: Wir drücken Ihnen die Daumen, dass die Inszenierung all Ihren Erwartungen entspricht und es eine schöne Laufzeit wird! Vielen Dank für das Interview und Ihnen alles Gute!

MCL: Merci!

 

Interview mit Kostümbildnerin Jakob Knapp

Jakob Knapp Foto: DERDEHMEL Urbschat

blickpunkt musical: Liebe Frau Knapp, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für das Interview nehmen. Sie sind Künstlerin, und wenn man sich Ihr Portfolio auf Ihrer Webseite anschaut, findet man dort viele sehr spannende Projekte. Und dies bei weitem nicht nur für die Bühnen dieser Welt, sondern auch im Bereich der bildenden Kunst. Wenn Sie nun einen Auftrag wie z. B. für die Kostüme hier bekommen, wie sehr können und wollen Sie dann auch immer den künstlerischen Aspekt mithineinnehmen, bzw. fangen wir mal am Anfang an – Sie bekommen den Auftrag, wie entwickeln Sie dann Ihre Ideen?

Jakob Knapp: Hui, also, für mich gehört Theater eindeutig zur Kunst und in meinem Part eben auch zur Bildenden Kunst. Ohne das »Künstlerische« würde mich Theater beruflich nicht interessieren. Reizvoll ist für mich, dass es ein Gemeinschaftswerk ist und das viele Expertisen zusammenkommen. Ich könnte das nicht immerzu machen, aber es begeistert mich seit meiner ersten Oper immer noch, dass so viele Menschen so viele verschiedene Dinge können und einem Stück zur Verfügung stellen und dass erwachsene Menschen ernsthaft über die merkwürdigsten und witzigsten Sachen streiten.

Ein besonderer Reiz war für mich bei »Addams«, dass wir, Malte Lachmann, Stephan Prattes und ich, als künstlerisches Team noch nie zusammengearbeitet haben. Ich bin immer neugierig auf neuen Austausch und Begegnung und mich inspiriert diese Kombination. Ein spielerischer, sehr purer theatraler Ansatz ist, glaube ich, das, was sehr gut bei uns zusammenpasst.

Ich finde es auch toll, mit einem Kollegen im bildnerischen Bereich zusammenzuarbeiten, was selten der Fall ist. Ich bin begeistert von Stephans großartigem Bühnenbild, es war auch ausschlaggebend für die Kostümidee.

blimu: Es ist, auch wenn immer sehr viel Aufwand betrieben wird, ein Studierendenprojekt. Wie unterscheidet sich in Ihrer Arbeit dieser Auftrag jetzt von den Aufträgen von den »professionellen« Theatern?

JK: Gute Frage. Zwar ist es ein Hochschulprojekt, aber der Backstage-Bereich ist ja professionell besetzt. In dieser Beziehung ist der Unterschied also gar nicht so groß, höchstens, dass die Werkstätten etwas kleiner sind. In gewisser Weise haben wir einen Möglichkeitsraum, nicht nur die Studierenden können sich ausprobieren, auch wir haben die Chance. Ich finde diese geschützten Freiräume sehr wichtig und finde auch, unsere Gesellschaft bräuchte viel mehr davon.

Es macht totalen Spaß, mit Studierenden zu arbeiten. Sie sind so offen, voller Fantasie und Energie, man kann gemeinsam vieles ausprobieren und es ist faszinierend, ihre Entfaltung als Bühnenpersönlichkeiten ein Stück weit zu begleiten. Das geht oft im regulären Theaterbetrieb gar nicht so. Es hat irgendwie etwas Fröhliches.

blimu: Wir durften schon erfahren, dass viel Schattenspiel stattfinden wird, ein sehr künstlerischer Zugang. Kam diese Idee von Ihnen, von Stephan Prattes oder vom Regisseur? Gibt es hierbei für das Kostümbild besondere Herausforderungen?

JK: Ehrlich gesagt weiß ich nur noch, dass die Idee mich sofort sehr inspiriert hat. Es ist bei solchen Musicals eigentlich sehr schwer, aus dem üblichen Schema auszubrechen. Die Schatten haben sofort eine neue Dimension eröffnet und ganz viele Türen aufgemacht. Im Kostüm habe ich natürlich sofort angefangen, Silhouetten und Transparenzen auszutesten.

blimu: Die Schwierigkeit an der Theaterakademie ist, dass alle Rollen im Grunde von gleichaltrigen Darstellern gespielt werden. Wo nutzen Sie da die Möglichkeiten, um gezielt optische Akzente zu setzen, um die Altersunterschiede zwischen z. B. Vater und Tochter trotzdem klar herauszuarbeiten?

JK: Diese Frage geht ins Detail. Einmal nutzen wir diese »Schwierigkeit« für das Spiel, um zu zeigen, wie man in eine Rolle schlüpft, andererseits gibt es viele subtile und weniger subtile Mittel im Kostüm, um die Altersgrenzen zu verwischen.

Zum Beispiel gibt es Figuren wie Lurch, Fester oder die Oma. Durch ein paar Kleinigkeiten, die zusammenspielen, wirkt Lurch irritierend »etwas zu groß« und alterslos, aber man kann eigentlich nicht ganz genau sagen, warum.

Oder: Am Anfang kommen Studierende mit ganz normaler Kleidung auf die Bühne und dann beobachten wir, wie sie sich auf der Bühne in ihre Charaktere verwandeln. Einmal dadurch, dass sie sich plötzlich ganz anders bewegen, und dann auch dadurch, dass die Kostüme die Körperformen optisch verändern, sie ziehen ihre Figuren quasi an, schlüpfen in ihre Haut und man kann dabei zusehen.

Aber es gibt auch ganz kleine Dinge, die im Zusammenspiel dann Unterschiede machen. Zum Beispiel haben Morticia und Gomez, die Addams-Eltern, eher gemusterte romantische Stoffe und die weißen Details in der Kleidung sind farblich gebrochen, Wednesday und Pugsley, die Addams-Kinder, haben klare Formen, keine Muster und starke, frischere Schwarzweiß-Kontraste.

blimu: Was sind für Sie die größten/schönsten Herausforderungen, wenn es darum geht, die einzelnen Addams zu gestalten? Gibt es einen Charakter, den sie da besonders lieben?

JK: Ich mag das Subversive an dieser Familie (inklusive Ahnen), aber ich liebe auch die Beineke-Familie! Charmant ist eben gerade ihre Unterschiedlichkeit, die peinlichen Momente, die dadurch entstehen, das Ringen darum, eine Situation der maximalen Inkompatibilität irgendwie zu meistern. Das ist harte Arbeit und am Ende freut man sich richtig, dass sie alle so drangeblieben sind.

Es macht großen Spaß, das herauszuarbeiten und dann auch zu sehen, wie die Studierenden Angebote aufnehmen und weiterentwickeln. Besonders mag ich, dass sie als verrückte Gruppe interessant sind und dass sie dann aber auch jeder einzeln als Charakter in Erscheinung treten. Auch die Ahnen lassen alle eine eigene Geschichte erahnen. Darum habe ich einfach eine Lieblingsfigur nach der anderen.

blimu: Vielen Dank für das Interview – wir wünschen Ihnen alles erdenklich Gute für die Zukunft und sind gespannt, wo wir das nächste Mal Ihre Werke bewundern dürfen!

Interview mit Melanie Maderegger

Melanie Maderegger Foto: Saskia Allers

blickpunkt musical: Liebe Frau Maderegger, Ihr Lebenslauf ist mehr als beeindruckend, wenn man bedenkt, dass Sie noch so jung sind und jetzt gerade einmal Ihren Abschluss machen. Sie spielten u.a. in Ihrer Jugend am Salzburger Landestheater, sind Stipendiatin bei Yehudi Menuhin Live Music Now München, waren Finalistin des MUT-Wettbewerbs 2023 und erhielten den Sonderpreis des Staatstheaters am Gärtnerplatz. Außerdem waren Sie schon in zahlreichen Bühnenproduktionen zu sehen, unter anderem in »Sister Act« in Augsburg. Letztes Jahr haben wir Sie als Cäcilia Weber sehen dürfen – dieses Jahr ist »Die Addams Family« Ihre Abschlussproduktion. Wie fühlt es sich für Sie an, auf diesen Lebenslauf zurückblicken zu dürfen und zu wissen, dass es in wenigen Monaten dann wirklich »ernst« wird?

Melanie Maderegger: Tatsächlich habe ich nicht das Gefühl, dass es erst dann im Februar nach meinem Abschluss richtig »ernst« wird. An der Theaterakademie ist es ja Teil des Curriculums, immer wieder in Produktionen zu sein, die in einem professionellen Kontext stattfinden. Ein großer Unterschied, der jetzt noch dazu kommt, ist, dass ich mich nebenher zunehmend für andere Auditions vorbereite.

blimu: Was gefällt Ihnen am Stück, insbesondere an Ihrer Rolle als Wednesday, besonders?

MM: An »The Addams Family« – insbesondere als Abschlussstück – gefällt mir besonders, dass das eine solistische Ensemblezusammenarbeit ist, könnte man sagen. Jede Rolle hat ihre eigenen Probleme und Themen im Stück und es fängt an und hört auf mit einem gemeinsamen Familienbild – am Ende zwei Familien, die zu einer großen geworden sind. Das mit meinem Jahrgang auf die Bühne zu bringen, bereitet mir sehr viel Freude.
Die Rolle an sich gefällt mir sehr gut. Vor allem reizt mich diese Balance zwischen dem ernsten, ausdruckslosen Gesichtsausdruck, der oft wenig Emotionen nach außen hin zulässt, und den Momenten, in denen Wednesday tatsächlich Gefühle zeigt.

blimu: Wie haben Sie zu Ihrer Interpretation der Rolle gefunden, was zeichnet Ihre Wednesday aus?

MM: Ich denke, meine Wednesday ist sehr rebellisch und hat einen ganz klaren Plan für sich und ihre Zukunft. Für mich ist es auch wichtig, am Anfang eine pubertäre Wednesday darzustellen, die sich dann eben während des Stückes verliebt und sich neu kennenlernt. Dann spürt sie da Freude, Verlangen, Liebe, Verzweiflung, aber auch später eine Wut in ihr, und für mich war die Frage nach der Dosierung des Ausdrucks eine sehr spannende in der Probenarbeit.

blimu: Und wo in der Rolle finden Sie sich persönlich wieder, sprich wie viel Maderegger steckt in der Wednesday auf der Bühne?

MM: Es steckt schon viel von mir in der Rolle, da ich sie ja auch kreiert habe. Ich kann mich gut mit ihrer Neugier und ihrem Drang, neue Wege einzuschlagen, identifizieren. Ansonsten bin ich aber eher jemand, der privat sozusagen mit Händen und Füßen spricht.

blimu: Gibt es Momente im Stück, die Sie ganz besonders lieben?

MM: Mein Lieblingsmoment ist das »Vater-Tochter-Gespräch«. In dem öffnet sich Wednesday eigentlich zum ersten Mal in dem Stück und spricht mit ihrem Vater Gomez über ihre Emotionen und lässt diese Offenheit auch zum ersten Mal zu. Für mich ist das ein spannender Moment, weil sie da auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wird und Wednesday nach diesem Gespräch für mich auch um einiges bewusster und erwachsener geworden ist.

blimu: Mit Wednesday spielen Sie einen Charakter in Ihrem Alter, im letzten Jahr mussten Sie eine erhebliche ältere Frau spielen. Meine Vermutung wäre, dass es einfacher ist, jemanden zu spielen, bei dem/der man nicht darüber nachdenken muss, wie jung man wirkt, wenn man sich bewegt, aber vielleicht liegt ja auch genau darin ein besonderer Reiz, dass man als Schauspieler/in auch in ein Alter schlüpfen muss, das von einem noch weit entfernt ist. Wie empfinden Sie diese Herausforderung, wie lernt man, auch deutlich ältere Charaktere zu spielen?

MM: Tatsächlich war die Altersfrage bei beiden Figuren – Wednesday und Cäcilia Weber in »MOZART!« – für mich erstmal gar nicht so im Vordergrund. Beide haben so markante Körperlichkeiten und Bewegungsmerkmale und bekommen allein dadurch schon ein gewisses Alter und eine andere Erfahrung zugeschrieben. Dazu kommt natürlich auch eine andere Stimmgebung und am Ende rundet das Ganze Kostüm und Maske gut ab.

blimu: Im vergangenen Jahr haben Sie mit Andreas Gergen arbeiten dürfen, in diesem Jahr mit Herrn Lachmann, überhaupt haben Sie ja schon einige Regisseure durch. Wo liegen in den Erarbeitungen für Sie die Unterschiede und liegt Ihnen ein bestimmter Regiestil näher?

MM: Ich denke, am Ende läuft es immer darauf hinaus, dass es eine Zusammenarbeit und ein Geben und Nehmen ist. Für mich ist es wichtig, dass es immer eine Diskussionsgrundlage gibt und dass genügend Raum und Zeit zum Ausprobieren da ist.
Ansonsten – so sehr kann man »The Addams Family« und »MOZART!« dahingehend gar nicht vergleichen, da die Stückstile so unterschiedlich sind und jeder Stil eben auch einen anderen Vorgang verlangt.

blimu: Vielen Dank für das Interview, wir freuen uns sehr, Ihren weiteren Weg verfolgen zu dürfen. Gibt es vielleicht schon Zukunftsprojekte, die Sie uns verraten können?

MM: Danke auch! Als nächstes steht die MAP (Musical-Absolvent:innen-Präsentation) in Berlin für mich an – da treffen sich alle staatlichen Hochschulen. Und danach bin ich sehr gespannt, was die Zukunft so für mich bereithält.

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