Die Pension Schöller im Gemeindebau ‒ ein musikalisches Lustspiel im Rabenhof

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Nach dem Erfolg von »Luziwuzi – ich bin die Kaiser« sind die vielseitige Theatermacherin Ruth Brauer-Kvam und ihr Ehemann Kyrre Kvam zurück im Wiener Rabenhof. Diesmal fiel die Wahl auf die Kultkomödie »Pension Schöller« von Wilhelm Jacoby und Carl Laufs und haben diese in ein musikalisches Lustspiel mit Songs von Fred Raymond verwandelt. Fabian Pfleger hat das Buch geschrieben, während Ruth Brauer-Kvam für Regie verantwortlich ist und Kyrre Kvam für die musikalische Leitung. Außerdem spielt Kyrre Kvam auch noch mit, aber dazu ein wenig später.

Zunächst zur Handlung: Der Sänger und Entertainer Anton Lenzmeier (glänzt schauspielerisch und gesanglich: Robert Slivovsky) möchte eigentlich aus dem leerstehenden Rabenhof einen Jazzclub machen, aber es fehlt ihm das Geld dazu. Jetzt hofft er auf finanzielle Unterstützung von seiner Tante Ruth Lenzmeier (sehr komödiantisch: Doris Hindinger). Da diese aber glaubt, dass ihr Neffe ein Psychologiestudium absolviert hat, lädt er sie in die Pension Schöller ein, wo Anton ohnehin mit seinen Bandkollegen auftreten soll, und lässt sie glauben, dass diese eine Nervenanstalt ist und dass er diese kaufen möchte. Im Laufe ihres Aufenthalts lernt sie unterschiedliche Gäste kennen, die tatsächlich nicht ganz normal sind. Da wäre zum Beispiel der überdrehte Professor Heinrich Schöller (wie immer komödiantisch in Topform: Florian Carove), Direktor der etwas heruntergekommenen Pension, sein Bruder Leo Schöller (ebenfalls grandios: Sebastian Wendelin), der eigentlich Schauspieler werden möchte, aber einen Sprechfehler hat und statt »L« immer »N« sagt, die durchgeknallte Schriftstellerin Helene Malzpichler, die an Waltraut Haas und andere Schauspielerinnen der 1950er Jahre erinnert (komödiantisch und gesanglich in Bestform: Caroline Frank), und natürlich der eingebildete Weltenbummler Balduin Bernhardi (Gerhard Kasal). Kyrre Kvam hingegen spielt sich selbst oder sagen wir, eine überspitzte Version. Er ist nicht nur als Pianist, sondern auch als enger Freund von Anton zu sehen und bringt Zynismus und viel Humor in seine Rolle.

Nach einer rauschenden Partynacht, in der Helene Malzpichler in Ruth Lenzmeier eine Muse sieht, Balduin Bernhardi sein Herz an Ruth verliert und Anton mit allen Mitteln versucht, ans Geld seiner Tante zu kommen, wird, wie es oft in Komödien ist, alles aufgelöst. Nicht nur bekommt Anton seinen Rabenhof, sondern Leo wird auch plötzlich seinen Sprechfehler los.

Neben Kyrre Kvam bilden Orges Troce als Gitarrist und Lukas Knöfler als Schlagzeuger die Band. Sie begleiten schwungvoll Titel wie ›Ich hab‘ das Fräulein Helen baden seh‘n‹, ›Ich steh‘ mit Ruth gut‹ oder ›In dir habe ich mein Glück gefunden‹. Natürlich ist auch ›Mein Bruder macht im Tonfilm die Geräusche‹ dabei. Diese Songs sind teilweise als Konzertaufritte inszeniert wie etwa bei der Eröffnungsnummer ›Ich hab‘ das Fräulein Helen baden seh‘n‹, aber teilweise werden sie auch in die Handlung eingeflochten wie etwa beim Operettenduett ›In dir habe ich mein Glück gefunden‹, das Helene Malzpichler und Professor Heinrich Schöller zum Besten geben. Besonders humorvoll: wenn Balduin Bernhardi mit ›Am Rio Negro‹ sein Glück bei Ruth Lenzmeier versucht.

Das Bühnenbild von Michaela Mandel ist recht reduziert und besteht aus einfachen Möbeln, türkisen Wänden, einem Getränkeautomaten und gelben Vorhängen; die Musiker sind auf einem Podest etwas oberhalb platziert. Mehr braucht es eigentlich nicht, denn hier liegt die Komik in den Dialogen und diese sind richtig unterhaltsam und werden durch die bereits erwähnten Songs grandios ergänzt.

In rund 100 Minuten schafft das Team Brauer-Kvam/Kvam/Pfleger, den Komödienklassiker komplett neu zu erzählen, und das nicht nur mit viel Humor, sondern auch mit einer berührenden Hommage an das »Rabenhof«. So geht musikalische Komödie!