Die große Weihnachtsshow im F1rst Stage Theater ist zum Anknuspern und feiert eine gelungene Premiere

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Sie hat es erneut getan und so inszenierte Antonia Crames nach einem großen Erfolg im Jahr 2024 auch in diesem Jahr wieder »Die große Weihnachtsshow« im F1rst Stage Theater. Eine abendfüllende Vorstellung voller diverser Projekte von Schülerinnen und Schülern aus der angeschlossenen Ausbildungsschmiede für Tanz, Schauspiel und Gesang. Eine lange Zeit werden die unterschiedlichen Nummern zuvor geprobt und dann im weihnachtlichen Kontext zur Aufführung gebracht. Unterstützung erhielt die Eifelerin erneut von Adam M. Cooper, der die große Cast von bis zu 40 Menschen auf der kleinen Bühne mit ausgefeilten Choreografien perfekt platzierte. Robin Kulisch steuerte das Buch und zusätzliche Texte bei und Max McMahon leitete das Dirigat der schmissigen Band, die aus der Bandwohnung live spielte.

Wie in jedem Jahr ist die Weihnachtsproduktion dem Team eine besondere Herzensangelegenheit, wie Theaterleiter Dennis Schulze dem Premierenpublikum erläuterte und was schon beim Betreten des Hauses auffällt. Tausende kleine und große Lichter-Teilchen hauchen dem ganzen Haus einen fantastischen weihnachtlichen Glanz ein. Vom kleinen Teddybären bis hin zu Schneeflocken aus Watte, hier haben mehr als nur kleine Wichtel Hand angelegt. Großartig! Auch in die Kostüme wurde nochmal investiert und so haben Volker Deutschmann, Hermine Seifert und Antonia Crames von goldenen Kick- Line-Kostümen bis hin zu glitzernden Barbie-Outfits ein wahres Feuerwerk entzünden können. Das spiegelt sich auch in den Verkaufszahlen wider, denn fast alle Vorstellungen sind bereits restlos ausverkauft und der besondere Charme des gesamten Abends hat sich in Hamburg bereits rumgesprochen.

Bei Kartenpreisen zwischen 57 und 67 Euro haben die Zuschauerinnen und Zuschauer aber auch eine gewisse Erwartungshaltung und so erfreuen sich diese am Premierenabend bereits an einer Preshow mit süß klingenden Weihnachtsliedern.

Die Story spielt im Spielwarengeschäft von Besitzer Harold Dickens (stark gespielt von Schauspiel-Dozent Dietmar Horcicka), das er von seinem Vater übernommen hat. Leider sind die Umsätze genauso eingebrochen wie der Klang einer Spieluhr, die er als Erbstück erhielt und die den Laden und das Glück von Herrn Dickens stets begleiten sollte. Die Kunden bleiben aber einfach weg und das vor Weihnachten! Keiner Interessiert sich noch für Spielzeuge aus Holz und nachhaltiger Machart. Alles wird schnelllebig und ohne Substanz. Herr Dickens beschließt, das Geschäft zu schließen, was alle Beschäftigten dazu anregt, kreativ für einen gemeinsamen Fortbestand von wertvollen Spielsachen und für den Erhalt glänzender Kinderaugen zu kämpfen!

Und so kommen die ›Happy Holidays‹ als große Eröffnung daher und ›Die lieben Verwandten‹ (umgedichtet aus »Rebecca«) führen in den Winter-Blues ein. Weiter geht’s mit ›Nur ein Tag‹ aus »Wicked« und in die ›Un-Romantische Weihnacht‹ aus» La La Land«, gefolgt von Klassikern wie ›Santa Claus is Coming to Town‹ von Bing Crosby oder ›The Way You Look Tonight‹ von Frank Sinatra.

Wie man einen Stollen macht‹ führt zu breitem Grinsen unter dem Publikum und Philine Erich und ihre Mitstreiter verliehen mit dieser Performance dem ersten Teil einen ganz großen Moment. Das Publikum genoss es, auch mal zu schmunzeln und nicht nur im ›Herbst-Winter-Blues‹ abzutauchen. Genauso stark glänzte Mercedes Felling mit ihrem ›I Miss You Like Crazy‹. Gänsehaut! Mit ›Frei‹ (aus »Finding Neverland«) ging‘s dann in die Pause.

Auch der zweite Teil kommt unterhaltsam daher und spätestens, als Helene Fischers „,›Marathon“,‹ (umgedichtet in „,»Mein Herz schreit Weihnachten«) ertönt, schwappt die ausgelassene Stimmung voll über. Das wunderbare Showballett und einzelne Darstellerinnen und Darsteller, die in Ihren Solomomenten ihren eigenen Glanz zaubern, machen diesen Abend zu einer runden Sache. Es bleibt ein Mammutprojekt, so viele individuelle Projektarbeiten in einen ausgeklügelten Ablauf zu integrieren, und auch an dieser Stelle können nicht alle der wirklich wunderbaren Projekte aufgezählt werden. Das Kreativteam hat ein wunderbares Stollen-Weihnachtsrezept für dieses Jahr zusammengebaut, was durchweg sehenswert ist. Lediglich bei einzelnen Blues-Nummern und den nicht immer bis zum letzten Ton ausgefeilten Harmonien konnte ich merken, dass manche mit ihrer Kraft kämpften. Aber die Gesamtleistung dieser Cast kann sich sehen lassen und der Abend macht wie ein süßer Zuckerguss einfach Spaß! Das Bühnenbild von Felix Wienbürger schaut toll aus mit den vielen beweglichen Spielzeug-Wagen, mehreren Spielebenen und vielen kleinen Details wie zum Beispiel einem verbauten Tannenbaum, der die Bühne so viel tiefer wirken lässt, oder der Ladentheke oder gar einem Klavier im Obergeschoss. Das Licht, ebenfalls von Felix Wienbürger, schafft schöne Momente, bleibt aber durchweg verhaltener als in den vergangenen Jahren. Der Sound im F1rst Stage Theater war wieder großartig und hat eine Kraft, die ich als Besucher so sehr mag. Klara Riefenstahl sorgte dafür, dass alle Künstlerinnen und Künstler im feinen Make-Up schillerten.

Positiv aufgefallen sind mir am Premierenabend besonders Mercedes Felling mit ihrer schönen Stimme und Rasmus Meyer-Loos mit seiner unfassbaren Präsenz und der Ausnahme-Spielfreude. Philine Ehrich war wie schon beschrieben beim ›Stollen Backen‹ auf sehr hohem Niveau und die so schnelle und textreiche Nummer hat einfach unfassbar viel Freude bereitet. Hannah Homberger knallte kurz vor Ende noch ein stark gesungenes »O Holy Night raus‹, sodass es die Zuschauer am Ende nicht mehr auf den Sitzen hielt. Aber auch Lennard Ney, Elias Nieser, Tobias Remmel und Johann Quartier fallen auf. Samira Janssen hat viel Power und Lisa Podschun zeigt Präsenz!

Auch wenn ich gerne jeden einzeln nennen würde, es würde den Rahmen sprengen, also lasst Euch sagen: Alle waren spitze! Great Team Work!

Der schlecht laufende Spielzeug-Laden konnte schließlich durch Fantasie und die Unterstützung der Angestellten doch geöffnet bleiben und dank dieser Ensembleleistung mit vielen Ausnahmetalenten entließ das Team die Zuschauer beschwingt in die Premieren-Winternacht. Hoffentlich denken diese noch lange an diesen Abend zurück, ohne gleich wieder in Social Media, Smartphone und Kurzweiligkeit und schnelllebigen Spielzeugen abzutauchen.

Der Abend ist ein Plädoyer für mehr Gefühl und wieder ein Stück Nachhaltigkeit bei den Dingen.

Wer Interesse an Karten für 2026 hat, sollte sich beeilen, denn der Vorverkauf ist schon wieder eröffnet und die Nachfrage groß!