Dörfler singt den Tod – Backstage bei Isabel Dörfler

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2027 feiert die Sängerin, Schauspielerin und Musicaldarstellerin Isabel Dörfler ihr 45-jähriges Bühnenjubiläum. Den Auftakt in ihr Jubiläumsjahr macht die Veröffentlichung von »Isabel Dörfler – Musical Star« im Februar. Bei dem neuen Album handelt es sich um eine Werkschau mit vielen Facetten. Altbewährtes, Schätze und exklusive Neuaufnahmen werden hier gleichermaßen zu finden sein. Zudem wird Dörfler ab März auf der Tour des beliebten Musicalgala-Formats »This is the Greatest Show« zu sehen sein.

Anlässlich einer kleinen Sensation durfte blickpunkt musical die Studioarbeiten zu »Musical Star« begleiten: An einem Spätsommertag Anfang August wurde im Greve Studio und Verleih in Berlin-Zehlendorf der Musicalklassiker schlechthin aufgenommen: ›Die Schatten werden länger‹ aus »Elisabeth«. Dabei ist diese Situation in zweierlei Hinsicht besonders: Zum einen singt auf der Aufnahme zum ersten Mal – mit Ausnahme von Japan, wo die reine Frauenkompanie der Takarazuka Revue zu Hause ist – eine Frau die Rolle des Todes. Isabel Dörfler, die 2024 in Shanghai noch als Erzherzogin Sophie auf der Bühne stand, tauscht die Rolle der kaiserlichen Schwiegermutter gegen den mystischen, eher androgyn zu zeichnenden Tod. Zum anderen hatte sich die Interpretin und Produzentin des Albums für den Track einen ganz besonderen Gastsänger für den Part des Kronprinzen Rudolf eingeladen: Andreas Bieber, der ab dem 03. September 1992 als allererster Rudolf in der Welturaufführung am Wiener Theater an der Wien auf der Bühne stand. Die beiden Künstler verbindet so einiges: Sie haben beide über ein Peter-Weck-Stipendium ihre künstlerische Laufbahn begonnen. Beide sind keine ausgemachten Musicalfans, jedoch eint sie die Liebe dazu, Geschichten zu erzählen und zu diesem Zweck in Rollen zu schlüpfen.

An besagtem, sonnigem Dienstagnachmittag in Berlin-Zehlendorf führte unser Weg zum Greve Studio vom geschäftigen S-Bahnhof auf eine ruhigere Straßenseite an einer Hausreihe entlang. Der Eingang zum Studio von Volker Greve befindet sich etwas versteckt auf einem Hofgelände. Isabel Dörfler und das Aufnahmeteam begrüßten mich herzlich zwischen technischer Feinabstimmung und organisatorischer Vorbereitung. Die positive Spannung vor der Aufnahme dieses besonderen Tracks war spürbar. Neben Toningenieur Greve und seinen Assistenten, zwei studentischen Praktikanten, begleiteten Kameramann Henk Henkel und Videograf Luca Geutebrück die Session.

Mit dem Eintreffen von Gastsänger und Duettpartner Andreas Bieber kam zu der konzentrierten und freudig gespannten Arbeitsatmosphäre sofort eine persönlich vertraute Stimmung, denn die beiden kennen sich schon sehr lange. Nach der Einrichtung der Mikrofone, der Ausrichtung der Kameras und einigen Absprachen nebst freundschaftlich-kollegialen Witzen schloss sich die Schiebetür vor den beiden Aufnahmekabinen. In diesen sangen Isabel Dörfler und Andreas Bieber separat voneinander, jedoch nur durch eine Scheibenfront getrennt, den Musical-Klassiker ein. Mein Ausblick: mitten im Geschehen, zentral auf das Schaltpult und die Aufnahmebildschirme von Volker Greve, rechts mit Blick auf die Kabinen.

34 Jahre nach der Welturaufführung sitzt der Text im Grunde noch im Schlaf, dennoch lag ein Spickzettel für die beiden Künstler bereit. Isabel Dörfler und Andreas Bieber gaben von Beginn an alles, und bereits die ersten Durchläufe boten in dieser stimmlichen Konstellation ein dynamisches Potenzial, das im Regieraum für Begeisterung sorgte. Nach kurzen Absprachen zur Stimmführung ging es an die Feinheiten. Toningenieur Greve steuerte den Prozess mit Ruhe, professioneller Routine, Fachwissen und nicht zuletzt mit einem geschulten Gehör für feine Nuancen und spannende Kontraste. Daher wurde zwischendurch etwa die Mikrofonierung angepasst, um den perfekten Klang zu bieten und die individuellen Stimmfrequenzen von Dörfler und Bieber bestmöglich einzufangen. In den getakteten Aufnahmephasen zeigte sich das enorme handwerkliche Können der beiden Künstler. Kürzere Pausen, in denen bereits erste Tonspuren angehört und ausgewertet wurden, sorgten für neue Konzentration und Energie für den nächsten Songabschnitt. Denn gerade zum Ende des Songs mussten Bieber und Dörfler dem sich steigernden ›Die Schatten werden länger‹ einen kraftvollen Abschluss geben. Isabel Dörfler verleiht dem Tod eine dunkle, androgyne Note, während Andreas Biebers helleres Timbre den perfekten Gegenpart bildet.

Den Abschluss des erfolgreichen Studiotags bildete ein gemeinsames Gespräch in einer der Aufnahmekabinen. Im Dialog blickten Dörfler und Bieber auf ihre künstlerische Laufbahn und ihre gemeinsame Schnittmenge zurück. Sie erzählten von alten Zeiten und darüber, was sie beide bis heute verbindet. Für Andreas Bieber war dieser Tag schon allein aufgrund des Songs eine emotionale Reise in die Vergangenheit; er fühlte sich sofort wieder in seine Zeit als Kronprinz Rudolf versetzt. Für Isabel Dörfler schließt sich mit diesem Projekt ein Kreis, und den – im deutschsprachigen Raum ersten weiblichen – Tod zu singen, erweitert ihre eigene »Elisabeth«-Reise um eine faszinierende Facette. Diese klingt auf der Aufnahme eindrucksvoll, kraftvoll und ungemein dynamisch. ›Die Schatten werden länger‹ ist ab sofort auf den gängigen Plattformen zu hören und zu sehen. Das dazugehörige Video erinnert mit atmosphärischen Backstage-Einblicken an diesen denkwürdigen Studionachmittag mit zwei gereiften Künstlern, die ein Stück Musical-Geschichte neu vertont und neu geschrieben haben.

Zum Ausklang des Studiotags stand uns Isabel Dörfler abschließend noch für ein ausführliches Einzelinterview zur Verfügung. Dieses werden Sie in der Januar-Ausgabe unserer blickpunkt musical lesen können.

Das Video zu dem Lied finden Sie, frischveröffentlicht, hier: